Dienstag, 15. Juni 2021

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Bekommt Thüringen schnelleres Internet?

Rund ein Jahr nach der Versteigerung der ersten Frequenzen für die fünfte Mobilfunkgeneration, kurz 5G genannt, kommt allmählich Bewegung in den Ausbau. Der Anfang wurde zwar bereits im vergangenen Jahr gemacht, doch zuallererst wurden nur einige deutsche Großstädte mit den erforderlichen Mobilfunktürmen versehen.

Bundesweit wird der flächendeckende Ausbau noch bis ungefähr zum Jahr 2025 dauern. Vor allem in weniger dicht besiedelten Bundesländern wie Thüringen kann es daher noch geraume Zeit dauern, ehe die Bürger in den Genuss des superschnellen Internets kommen und Deutschland aufholen kann, was die Geschwindigket beim Surfen betrifft.

Dass das Umrüsten so lange dauert, liegt an der Mobilfunk-Infrastruktur, die für 5G ganz andere Grundvoraussetzungen erfordert als für die bisherigen Netze.

Während LTE, wie die vierte Generation in Deutschland genannt wird, auf die existierenden 3G-Masten quasi aufgepfroft werden konnte, ist das für 5G nicht so einfach.

Das liegt nicht nur daran, dass 5G mit deutlich höheren Funkfrequenzen arbeitet und die Antennen daher technisch auf deren Empfang ausgelegt sein müssen. Um die riesigen Datenmengen verarbeiten zu können, die 5G ermöglicht, und dabei die Latenzzeiten bei unter einer Millisekunde zu halten, müssen die Mobilfunkmasten nah beieinander stehen, auch wenn die Dichte in der Stadt anders ausfällt als etwa entlang von Landstraßen.

Derzeit verfügt die Bundesrepublik insgesamt über rund 80.000 Masten. Für flächendeckendes 5G werden nach Schätzung einiger Experten bis zu einer Dreiviertelmillion Masten benötigt. Selbst wenn diese Zahl deutlich zu hoch ausfallen sollte, haben die Netzanbieter einiges an kostspieliger Ausbauarbeit vor sich.

Dabei war allein die Grundinvestition bereits deutlich höher als ursprünglich gedacht. Rund 6,5 Milliarden Euro ließen sich im Juni 2019 Deutsche Telekom, Vodafone, Telefonica sowie der Neueinsteiger 1&1 Drillisch ihren Anteil den Frequenzen kosten, ohne dass auch nur ein einziger Mast auf die neue Technologie umgerüstet war.

Fester Bestandteil unseres Alltags: das Handy und das Internet (Quelle: Pixabay)

Auch die Auswahl unter den 5G-tauglichen Handys fällt derzeit noch relativ klein aus, aber das soll sich bald schon ändern. Bis Ende 2020 will die Telekom bereits 5G-taugliche 40.000 Masten haben. Die ersten Standorte sind bereits ausgerüstet. Vorrang haben dabei Wissenschafts- und Industriestandorte, für die der Zugang zu 5G zukunftsweisend ist.

Während sich Privatverbraucher über schnellere Up- und Downloads freuen, die das Chatten, Arbeiten und das Spielen auf dem Handy oder dem Tablet in der Freizeit deutlich verbessern, unterscheidet sich stark die Qualität des Internets je nach Stadt, Ort oder Bundesland. Beim Zocken online ist die Geschwindigkeit der Internetverbindung noch wichtiger, da schlechte Latenzzeiten einige online-Spiele wie zum Beispiel Fifa, Live-Casino oder Fortnite aufgrund häufigen Verbindungsprobleme unmöglich machen.

Die Anwendungen des Internets in unserem Alltag geht zudem für Universitäten, Forschungsinstitute und Produzenten und diese Institutionen helfen dabei, die digitale Industrierevolution mitzugestalten. Erfurt gehört allerdings zu den Vorreitern mit 38 Mobilfunkstandorten mit 5G, wenn auch das Umland noch warten muss.

Die Unterschiede sind gigantisch. Bis zu 10.000 Megabit Download pro Sekunde sollen bei 5G möglich sein. LTE kommt gerade mal auf Spitzengeschwindigkeiten von 225 Megabit pro Sekunde. Die Latenzzeit, also die Zeit, die vergeht, bis die Daten vom Sender bei Empfänger ankommen, sollen von fünf Sekunden und mehr bei LTE auf unter eine Millisekunde sinken. Damit sind Anwendungen in Echtzeit möglich, vom Videochat bis zur Augmentierten Realität.

Weil 5G unter anderem auch die noch in der Entwicklung befindlichen autonomen Fahrzeuge ermöglich soll, ist die Reaktion in Echtzeit unverzichtbar, wenn es zum Beispiel um das Vermeiden von Unfällen geht.

Die blitzschnell verarbeiteten riesigen Datenmengen in Echtzeit sind für die Industrie notwendig, um die Automatisierung in der Produktion und die Vernetzung weiter voranzutreiben.

Das Handy bietet alles aus einer Hand – 5G macht das einfacher (Quelle: Pixabay)

Trotz der deutlich höheren Datenmengen, die pro Sekunde fließen können, sollen die Stromkosten für 5G nicht höher ausfallen als für das bisherige LTE-Netz und auch insgesamt soll der neue Mobilfunkstandard nicht teurer werden.

Stattdessen werden bereits jetzt Vorteile auch für die Gegenden erwartet, die noch auf den Ausbau von 5G warten müssen. Weil die Reichweite, Geschwindigkeit und Zahl der versorgten Nutzer von der Frequenz abhängen, werden in Großstädten höhere Bandbreiten von 3,6 Gigahertz etwa von der Telekom benutzt. Auf dem dünner besiedelten Land reduziert die Telekom das auf 2,1 Gigahertz, die eine deutlich größere Reichweite besitzen. Zugleich erhält LTE einen Schub, weil im Rahmen des so genannten Dynamic Spectrum Sharing sowohl 5G wie auch LTE parallel in einem Frequenzband betrieben werden und somit ein weiteres Frequenzband für die Nutzung von LTE dazukommt. Hinzu kommt die Entlastung von LTE, was das Internetsurfen mit LTE schneller. Allein im ländlichen Raum soll sich das Tempo verdoppeln können.

Im Festnetz soll sich die technische Neuerung ebenfalls bemerkbar machen. Weil 5G am besten über Glasfaserkabel übertragen wird, bei denen Deutschland noch im vergleich hinterherhinkt, stehen auch hier Investitionen an, die sich in den Privathaushalten zum Beispiel beim Fernsehempfang und Streaming positiv auswirken werden.

Weil mit höheren Geschwindigkeiten beim Hochladen und Herunterladen deutlich mehr Geräte als bisher ans Netz angeschlossen werden können, steht dem immer smarter werdenden Haus ebenfalls eine umwälzende Veränderung vor. Kühlschränke, Haustechnik, Heizanlagen und mehr, die miteinander kommunizieren oder übers Handy gesteuert werden halten immer häufiger Einzug in den Alltag.

5G oder schon ein deutlich schnelleres LTE-Netz machen es möglich, die durch die Gerätevernetzung entstehenden Datenmengen nicht nur zu verarbeiten, sondern dies auch so stromsparend und damit kostengünstig und umweltschonend wie möglich zu machen.

Wer in einer der bereits mit 5G-Mobilfunkstandorten versehenen Städte wie Erfurt wohnt, kann sein altes Smartphone dennoch behalten. Das Netz kann unterscheiden, um welches Telefon es sich handelt und stellt die erforderliche Technik zur Verfügung.

Im Gegensatz zu den alten Netzen ist 5G von vornherein nicht in erster Linie für Telefone und Tablets ausgelegt, sondern für die Vernetzung von smarten Fahrzeugen und Maschinen von der Industrie bis zur Medizintechnologie.

Selbst wenn es noch geraume Zeit dauern wird, ehe der neue Mobilfunkstandard flächendeckend zur Verfügung stehen wird, wird sich das Leben dadurch fast überall verändern.


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