Uniklinikum Jena: gesundheitlichen Folgen von SED Unrecht werden untersucht

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Welche Folgen politische Traumatisierung für die Gesundheit von Betroffenen haben kann, untersucht ein länderübergreifender Forschungsverbund der Universitäten Magdeburg, Jena, Leipzig und Rostock

Ein interdisziplinäres Forschungsteam aus den Bereichen der Psychosozialen Medizin, Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universitätsmedizinen Magdeburg, Jena, Leipzig und Rostock startet ab  Juli ein länderübergreifendes Forschungsprojekt zur Untersuchung gesundheitlicher Langzeitfolgen bei SED-Opfern. „Überwachung, Verhöre und Zersetzung, das alles wirkt bei Betroffenen auch 30 Jahre nach dem Ende der DDR noch nach, körperlich und seelisch“, erläutert Prof. em. Dr. Jörg Frommer, Sprecher des Forschungsverbundes und ehemaliger Direktor der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. In enger Kooperation mit den Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur und den bestehenden Einrichtungen der Beratung, Behandlung, Begutachtung und Weiterbildung will der Verbund in den kommenden drei Jahren wichtige Erkenntnisse zu gewinnen, die unmittelbar zur nachhaltigen Verbesserung der Versorgung der heute noch Betroffenen beitragen.

Am Universitätsklinikum Jena ist das Institut für Psychosoziale Medizin, Psychotherapie und Psychoonkologie Partner im Verbund. „Wir werden uns unter anderem mit rituellen Gewaltpraktiken beschäftigen, einem recht jungen Forschungsfeld“, so Institutsdirektor Prof. Dr. Bernhard Strauß. „Dazu zählt beispielsweise sexueller Missbrauch, der institutionell vertuscht oder gar unterstützt wurde.“

Auch die psychobiologischen Folgen SED-Unrechts als Ursache für gesundheitliche Probleme wird der Jenaer Standort des Forschungszentrums analysieren.  Dieses grundlagenwissenschaftliche Teilprojekt untersucht die Veränderungen der hormonellen Stressregulation infolge chronischer oder traumatischer Stresserfahrungen, die das Risiko für Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und metabolischem Syndrom erhöhen. Das Wissen um derart veränderte Stressmechanismen sollte Eingang in die psychotherapeutische Praxis finden, um ihnen bei den Betroffenen gezielt entgegenwirken zu können.

Einen wichtigen Beitrag zur besseren Versorgung der ehemals Verfolgten soll zudem die Weiterbildung von Pflegepersonal, Teams in Hausarztpraxen und Beratungsstellen, Personal in der Altenpflege und -betreuung und gesetzlich bestimmten Betreuern leisten. Bernhard Strauß: „Noch viel zu häufig erfahren Opfer des SED-Regimes erneut Unrecht, weil Ansprechpartner nicht ausreichend informiert sind über die besondere psychomedizinische Situation der Betroffenen. Deshalb sollen unsere Forschungsergebnisse schnell im Beratungs- und Versorgungsalltag umgesetzt werden.“

Das Forschungsprojekt zur Untersuchung gesundheitlicher Langzeitfolgen von SED-Unrecht wird durch Mittel des Ost-Beauftragten der Bundesregierung Marco Wanderwitz in Höhe von 2,4 Millionen Euro gefördert, im kommenden Jahr übernimmt das Jenaer Team die Koordination des Verbundes.

Mitteilung der Universität Magdeburg  

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