Gedenkwoche
„Im April 2025 jährt sich die Befreiung des Außenlagers SIII im Jonastal zum 80. Mal. Aus diesem Anlass planen wir eine besondere Gedenkwoche vom 30. März bis zum 5. April 2025, gemeinsam mit dem Landkreis Gotha, der Stadt Ohrdruf und den Arolsen Archives“, so Landrätin Petra Enders und würdigte das Engagement des Jonastalvereins.
Der Verein, der sich 2001 gründete, hat es sich zur Aufgabe gemacht, geschichtliche Vorgänge in Bezug auf das während der Zeit des Nationalsozialismus 1933 – 1945 im Raum Arnstadt – Ohrdruf – Gotha und dessen Umfeld betriebene Sonderbauvorhaben S III aufzuarbeiten und zu dokumentieren. Dies betrifft das Schicksal der eingesetzten Häftlinge ebenso wie Fragen zur damit verbundenen Zeit-, Technologie- und Militärgeschichte.
„Mit sehr großem Engagement und sehr viel Einfühlungsvermögen setzen die Vereinsmitglieder alles daran, das Dokumentationszentrum aufrechtzuerhalten und über die Geschichte des NS-Terrors hier in unserer Region aufzuklären. Eine Aufgabe, die zum größten Teil im Ehrenamt erfolgt, für die ich hier noch einmal meinen Respekt zollen möchte“, dankte Landrätin Petra Enders den Vereinsmitgliedern.
„Wir wissen, Gedenktage allein bewahren uns nicht davor, im Hier und Heute gleichgültig zu werden. Erinnern und Gedenken ist wichtig, es darf sich aber nicht nur auf Gedenktage reduzieren, sondern muss das ganze Jahr über gelebt werden, damit so etwas nie wieder geschieht. Vor dem Hintergrund, dass es immer weniger Zeitzeugen gibt, die aus ihren Erinnerungen berichten können, gewinnt die Arbeit des Jonastalvereins noch einmal eine ganz besondere Bedeutung“, betont Landrätin Petra Enders.
„Besonders wichtig ist es aber auch, Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren. Ein wichtiger Weg ist es meiner Meinung nach, sie zu motivieren, sich persönlich mit der Zeit des Nationalsozialismus‘ und dem damit verbundenen unendlichen Leid auseinanderzusetzen. Wenn man sich Wissen selbst erarbeitet und sich intensiv mit den historischen Zusammenhängen beschäftigt, hat es eine ganz andere, tiefergehende und vor allem bleibende Wirkung. Das ist auch das Ziel unseres Wettbewerbes „Stille Helden“, zu dem wir als Ilm-Kreis anlässlich des 80. Jahrestages der Befreiung des KZ-Außenlagers SIII im Jonastal aufgerufen haben“, so Landrätin Petra Enders, die sich freut, dass der Aufruf einen großen Widerhall gefunden hat. Es haben sich Grundschulen, Regelschulen und Gymnasien beteiligt, aber auch Jugendliche außerhalb ihrer Schulen.
Programm der Gedenkwoche anlässlich des 80. Jahrestages der Befreiung des Außenlagers SIII Jonastal
30. März
Gedenklauf durch das Jonastal
Ab 10:00 Uhr findet ein Gedenklauf durch das Jonastal statt. Die Strecke umfasst 5 Kilometer, startet am Parkplatz der Gedenkstätte und führt durch den Wald nach Espenfeld und wieder zurück zum Parkplatz. Hier können sowohl Wanderer als auch Nordic Walker und Jogger teilnehmen. Jeder Teilnehmer, der das Ziel erreicht, erhält eine Teilnehmermedaille. Diese wird nur für diesen Gedenklauf angefertigt und zeigt das Jonastaldenkmal sowie den Schriftzug „80. Jahrestag der Befreiung – Gedenklauf“. Es gibt keine Gewinnerplatzierung. Der Jonastalverein gestaltet die Laufstrecke mit Schautafeln aus seiner Wanderausstellung. Logistisch unterstützt wird der Lauf durch freiwillige Helfer eines Arnstädter Laufvereins, Sanitäter sind ebenfalls an der Strecke postiert. Anmeldung: bitte bis 29. März 2025, per E-Mail an kultur @ilm-kreis.de mit Kontaktdaten und Geburtsdaten sowie Kategorie (Jogger, Wanderer oder Nordic Walking).
1. April
Szenische Lesung
Das Theater „die SCHOTTE“ hat im vergangenen Jahr eine szenische Lesung aus dem Tagebuch der jungen Jüdin Miriam Feiner zusammen mit dem Erinnerungsort „Topf und Söhne“ erarbeitet. Diese Lesung mit Ausschnitten aus dem Tagebuch der bei Machtübernahme durch die Nationalsozialisten gerade einmal 11 Jahre alten Miriam gibt Einblicke in Alltagsantisemitismus, Verluste und Verfolgung – aber auch deren Rettung davor. Das Theater „die SCHOTTE“ ist ein Kinder- und Jugendtheater aus Erfurt mit angeschlossenem theaterpädagogischem Zentrum. Die Lesung beginnt um 18:00 Uhr im Dokumentationszentrum Jonastal und dauert ca. 20 Minuten. Anschließend bietet der Jonastalverein für alle Interessierten eine Führung durch die Ausstellung an.
2. April
Autorenlesung
Valerie Riedesel, die Enkelin von Cäsar von Hofacker, erzählt in ihrem Buch „Geisterkinder“ vom Sippenhaft-Schicksal ihrer Familie, die in Gefängnisse, Konzentrationslager und Kinderheime verschleppt wurde. Die Autorin liest Ausschnitte aus ihrem Buch und gibt Einblicke in dieses weniger beleuchtete Thema aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Die Lesung findet in der Kunsthalle Arnstadt ab 14:00 Uhr statt und dauert ca. 1 Stunde.
3. April
Ausstellungseröffnung
Am fünften Tag der Gedenkwoche wird ab 17:00 Uhr auf dem Marktplatz Ohrdruf die Open-Air-Wanderausstellung #StolenMemory eröffnet. Die Ausstellung wurde von den Arolsen Archives erarbeitet und zeigt persönliche Gegenstände von NS-Verfolgten aus über 30 Ländern. Seit Beginn der Kampagne #StolenMemory konnten bereits über 700 Familien ausfindig gemacht werden, um ihnen die persönlichen Gegenstände der Angehörigen zu übergeben. Die Ausstellung, angesiedelt in einem Überseecontainer, erzählt mit Fotos, spannenden Texten und Videodokumenten von den Gegenständen, ihren Besitzern und Geschichten. Ergänzend dazu gibt es verschiedene digitale Ausstellungsbereiche.
Die Ausstellung ist vom 4. bis zum 23. April 2025 jeweils zu den Öffnungszeiten des Ohrdrufer Rathauses zusehen.
4. April 2025
Dokumentarfilmvorführung
Ab 19:00 Uhr wird im Bürgersaal des Schloss Ehrenstein in Ohrdruf der Film „16 Photographs at Ohrdruf“ gezeigt. Der Film zeigt die Spurensuche eines jungen Amerikaners, der im Nachlass seines Großvaters 16 Fotos fand, die kurz nach der Befreiung des Konzentrationslagers Ohrdruf entstanden. Der Großvater Donald Johnson, damals einer der Sanitäter, hielt das Grauen im Lager mit dem Fotoapparat fest.
5. April
Gedenkveranstaltung
Ab 11:00 Uhr findet die jährlich wiederkehrende Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung am Denkmal Jonastal statt. Nach klassischen Musikstücken der Musikschule Arnstadt-Ilmenau und Rezitationen von Schülern aus dem Ilm-Kreis werden die Landrätin Enders, der Landrat Eckert, die Bürgermeister von Arnstadt und Ohrdruf, sowie Vertreter des Jonastalvereins Gedenkworte sprechen.