Während man in westlichen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen fast wöchentlich neue Sabotage-Verdachtsfälle registriert, wirkt die Lage in Thüringen auf den ersten Blick ruhig. Doch der Schein trügt: Auch im Freistaat wächst die Sorge vor hybriden Angriffen, und man rüstet sich im Hintergrund für ernsthafte Szenarien.
Die Statistik: Wenig Fälle, aber hohe Schadenssummen
Man hat im vergangenen Jahr in Thüringen offiziell nur drei Sabotage-Verdachtsfälle beim Bundeskriminalamt (BKA) registriert. Damit belegt man im bundesweiten Vergleich den letzten Platz. Doch wer glaubt, der Freistaat sei eine Insel der Seligen, ignoriert die Schwere der einzelnen Taten.
- Der Fall Erfurt-Gispersleben: Man erinnert sich noch gut an den Juni 2025. Unbekannte drangen auf das Gelände der MAN Trucks & Bus Service GmbH ein und setzten sechs Bundeswehr-Lastwagen gezielt in Brand. Der Schaden ging in die Millionenhöhe. Bis heute hat man die Täter nicht gefasst, weshalb das LKA Thüringen die Belohnung für Hinweise kürzlich auf 10.000 Euro erhöht hat.
- Gezielte Angriffe: Man stuft solche Taten nicht mehr als einfachen Vandalismus ein. Da militärische Infrastruktur das Ziel war, spricht man in Sicherheitskreisen offen von Sabotage im Rahmen hybrider Kriegsführung.
Drohnen-Abwehr: Thüringen fordert härtere Strafen
Nicht nur am Boden, auch in der Luft beobachtet man eine Zunahme verdächtiger Aktivitäten. Man zählt Drohnenüberflüge über Kasernen, Bahnanlagen und Industriebetrieben.
- Rechtliche Lücke: Bisher hat man das Fliegen über sensiblen Gebieten oft nur als Ordnungswidrigkeit behandeln können.
- Thüringer Initiative: Gemeinsam mit Bayern und Niedersachsen hat man bei der Justizministerkonferenz in Leipzig erfolgreich einen Antrag eingebracht. Man fordert nun einen neuen Straftatbestand für Spionage-Drohnenflüge, um eine wirksame Abschreckung zu schaffen.
Kritik am Schutz der Infrastruktur
Obwohl man weniger Fälle zählt, warnt der Thüringer Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer eindringlich vor Leichtsinn. Man sieht noch immer erhebliche Lücken beim Schutz der kritischen Infrastruktur (KRITIS).
- Privatwirtschaft in der Pflicht: Laut aktuellen Studien haben nur knapp über die Hälfte der Unternehmen ausreichende Schutzmaßnahmen gegen Sabotage implementiert.
- Das neue KRITIS-Dachgesetz: Man hat im Januar 2026 im Bundestag neue Mindeststandards beschlossen. Betreiber von Energie- und Wasserversorgungsanlagen in Thüringen müssen nun nachweisen, dass man physische Barrieren und Notfallteams aufgebaut hat.
Schutzmaßnahmen: Was man jetzt tut
Man setzt in Thüringen auf eine engere Vernetzung, um auf die Strategie der sogenannten „Wegwerf-Agenten“ zu reagieren. Da man vermutet, dass russische Stellen über das Internet Kleinkriminelle für Sabotageakte anwerben, hat man die Überwachung im digitalen Raum intensiviert.


