Während die Zahl der Privatinsolvenzen in Deutschland im vergangenen Jahr massiv angestiegen ist, setzt der Freistaat Thüringen ein überraschendes Zeichen der Stabilität. Das geht aus dem neuen „Schuldenbarometer 2025“ des Informationsdienstleisters CRIF hervor. Während bundesweit die höchsten Fallzahlen seit zehn Jahren registriert wurden, verzeichnet Thüringen sogar einen Rückgang.
Thüringen bundesweit mit der geringsten Insolvenzdichte
Zusammen mit Bayern bildet Thüringen das Schlusslicht bei der Zahl der Privatinsolvenzen je Einwohner – was in diesem Kontext eine Spitzenplatzierung bedeutet.
- Die Quote: Auf 100.000 Einwohner entfallen im Freistaat lediglich 86 Insolvenzfälle. Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt liegt bei 127, in Bremen sind es sogar 201 Fälle.
- Der Trend: Während Deutschland insgesamt ein Plus von 7,8 Prozent auf 107.816 Fälle verkraften muss, meldet Thüringen einen Rückgang von 5,0 Prozent. Damit gehört der Freistaat zu einer kleinen Gruppe von Bundesländern, die sich gegen den Trend stemmen konnten.
Wirtschaftlicher Druck trifft vor allem Norden und Westen
Laut Dr. Frank Schlein, Geschäftsführer von CRIF Deutschland, waren die Lebenshaltungskosten durch hohe Energie- und Lebensmittelpreise auch 2025 eine enorme Belastung. Dass Thüringen hier besser abschneidet als etwa das Saarland (+21,8 %) oder Baden-Württemberg (+17,0 %), könnte auf eine stabilere Kostenstruktur im Bereich Wohnen oder eine resilientere Haushaltsführung zurückzuführen sein. Dennoch warnt Schlein: „Die finanzielle Widerstandskraft vieler Menschen nimmt ab. Rücklagen reichen oft nicht mehr aus, um die steigenden Kosten aufzufangen.“
Alarmierende Zahlen bei Jung und Alt
Trotz der positiven Gesamttendenz in Thüringen gibt die bundesweite Detailanalyse Anlass zur Sorge, da die Ursachen auch vor Landesgrenzen nicht haltmachen. Besonders zwei Gruppen rutschen verstärkt in die Schuldenfalle:
- Junge Erwachsene (18–20 Jahre): Hier gab es einen dramatischen Anstieg von 52,6 Prozent. Ursachen sind fehlende Rücklagen und die Verlockungen von „Buy now, pay later“-Modellen bei Spontankäufen.
- Senioren (ab 61 Jahre): Ein Zuwachs von 10,6 Prozent verdeutlicht die wachsende Altersarmut. Stagnierende Renten bei gleichzeitig steigenden Mieten und Energiekosten bringen viele ältere Haushalte an ihre Grenzen.
Ausblick auf 2026: Keine Entspannung in Sicht
Die Hauptursachen für den Gang zum Insolvenzgericht bleiben klassisch: Arbeitslosigkeit, geringes Einkommen, Trennungen oder Krankheit. Die durchschnittliche Schuldenhöhe liegt laut CRIF bei rund 15.000 Euro.
Für das laufende Jahr 2026 rechnet CRIF mit einer weiteren Verschärfung der Lage und prognostiziert bundesweit etwa 110.000 Fälle. Ob Thüringen seinen Sonderstatus als „Sicherer Hafen“ halten kann, wird maßgeblich davon abhängen, wie sich die Reallöhne und die Energiekosten im Freistaat weiterentwickeln.


