Deutlicher Rückgang bei der Zuwanderung: Thüringen verzeichnet 2025 hohe Wanderungsverluste

0
11

Die Dynamik der Migrationsbewegungen in Deutschland hat sich im Jahr 2025 spürbar verändert. Wie aus den endgültigen Ergebnissen der Wanderungsstatistik des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hervorgeht, ist die Nettozuwanderung nach Deutschland im Vergleich zum Vorjahr drastisch um 45 % gesunken. Während 2024 noch ein Plus von 430.000 Personen verzeichnet wurde, wanderte 2025 im Saldo mit rund 235.000 Menschen eine deutlich geringere Zahl an Personen zu. Dieser bundesweite Trend schlägt sich auch in den Bundesländern nieder – mit drastischen Folgen für den Freistaat Thüringen, der im innerdeutschen Vergleich zu den größten Verlierern gehört.

Binnenwanderung: Thüringen verliert massiv Einwohner an andere Bundesländer

Während der Bund die Zu- und Fortzüge über die Staatsgrenzen hinweg misst, zeigt der Blick auf die innerdeutschen Wanderungsbewegungen (die sogenannten Binnenwanderungen über die Bundeslandgrenzen), wer innerhalb Deutschlands an Attraktivität gewinnt oder verliert. Insgesamt wurden hierbei im Jahr 2025 knapp eine Million Umzüge registriert.

Besonders bitter ist das Ergebnis für Thüringen: Der Freistaat gehört zusammen mit Berlin und Nordrhein-Westfalen zu den Ländern mit den bundesweit höchsten Wanderungsverlusten.

Die Gewinner und Verlierer der innerdeutschen Wanderung (2025)

BundeslandWanderungssaldo (aufgerundet)Tendenz
Brandenburg+9.000 PersonenGrößter Gewinner
Bayern+8.000 PersonenHoher Überschuss
Schleswig-Holstein+8.000 PersonenHoher Überschuss
Nordrhein-Westfalen-5.000 PersonenHoher Verlust
Thüringen-6.000 PersonenZweithöchster Verlust bundesweit
Berlin-12.000 PersonenGrößter Verlierer

Mit einem Minus von 6.000 Personen verliert Thüringen im Zuge der Binnenwanderung weiterhin wertvolle Einwohner, insbesondere an wirtschaftsstärkere Regionen oder das Berliner Umland.

Die Ursachen des bundesweiten Rückgangs

Der starke Rückgang der Nettozuwanderung auf Bundesebene lässt sich im Wesentlichen auf zwei Hauptfaktoren zurückführen: den Rückgang der Asyl- und Ukraine-Migration sowie eine negative Bilanz im Austausch mit der Europäischen Union.

1. Weniger Zuwanderung aus der Ukraine und Asyl-Herkunftsländern

Die Wanderungsstatistik registrierte deutliche Rückgänge aus den Hauptherkunftsstaaten von Asylsuchenden. Parallel dazu sank auch die Zahl der Asylanträge beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF):

  • Syrien: Rückgang des Saldos um 67 % (von 75.000 auf 25.000)
  • Türkei: Rückgang um 41 % (von 41.000 auf 24.000)
  • Afghanistan: Rückgang um 41 % (von 33.000 auf 19.000)
  • Ukraine: Auch die Zuwanderung von Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine fliehen und Schutz nach § 24 des Aufenthaltsgesetzes suchen, sank um 21 % auf 96.000 Personen (Vorjahr: 121.000).

2. Negativer Wanderungssaldo gegenüber der EU

Ein weiterer Treiber für das sinkende Saldo ist, dass mittlerweile mehr Menschen aus Deutschland in andere EU-Staaten abwandern als von dort zu uns kommen. Der EU-Wanderungssaldo lag 2025 bei -54.000 Personen (2024: -34.000). Vor allem gegenüber Polen (-17.000) und Bulgarien (-14.000) verzeichnete Deutschland erhebliche Wanderungsdefizite.

Die größte Stütze der Nettozuwanderung blieb insgesamt der asiatische Kontinent mit einem Plus von 158.000 Personen.

Deutsche zieht es ins Ausland

Unabhängig von der Zuwanderung hält der Trend an, dass Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit der Bundesrepublik den Rücken kehren. Seit 2005 ist hier eine kontinuierliche Nettoabwanderung zu beobachten, die sich 2025 sogar noch verschärft hat (-97.000 Personen nach -81.000 im Vorjahr). Die drei beliebtesten Zielländer der deutschen Auswanderer waren:

  1. Schweiz (23.000 Fortzüge)
  2. Österreich (14.000 Fortzüge)
  3. Spanien (10.000 Fortzüge)

Fazit für den Freistaat

Der bundesweit rückläufige Migrationstrend trifft Thüringen in einer ohnehin demografisch angespannten Lage. Dass das Land im innerdeutschen Vergleich im Saldo 6.000 Menschen verliert, verschärft den ohnehin spürbaren Mangel an Fach- und Arbeitskräften in der thüringischen Wirtschaft. Für die Landespolitik bleibt die Steigerung der Attraktivität als Wohn- und Arbeitsort eine der Kernherausforderungen der kommenden Jahre.

Methodischer Hinweis der Statistiker: In der Wanderungsstatistik werden Zu- und Fortzüge auf Basis der Melderegister erfasst. Da sich Personen bei einem Umzug ins Ausland häufig nicht ordnungsgemäß abmelden, werden Zuzüge generell präziser erfasst als Fortzüge. Fehlende Abmeldungen werden von den Behörden oft erst nachträglich von Amts wegen korrigiert.

Alle News direkt & kostenlos bekommen

Immer auf dem Laufenden bleiben mit unsere kostenlosen News-Channeln auf allen Plattformen: Die Nachrichten-Kanäle sind komplett kostenfrei und können jederzeit auch wieder verlassen werden.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein