In Thüringen gab es im Zweiten Weltkrieg eine ganze Reihe von Produktionsstandorten für die Ausrüstung der Wehrmacht und auch die Entwicklung von neuen Techniken wurde in verschiedenen Orten des späteren Freistaates vorangetrieben. Nun ist ein neues Dokument aufgetaucht, das zeigt, dass auch kleinere Städte im Vogtland bei der Entwicklung von geheimen Rüstungsprojekten beteiligt waren.
Konkret geht es dabei um die Entwicklung des streng geheimen Abfangjägers Me 163. Die Messerschmitt Me 163 „Komet“ war ein deutsches Abfangjagdflugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg und gilt als das weltweit einzige jemals einsatzfähige Jagdflugzeug mit Flüssigkeitsraketenantrieb in dieser Zeit. Konstruiert von Alexander Lippisch als schwanzloses Pfeilflügelflugzeug, war sie mit Geschwindigkeiten von über 900 km/h das schnellste Flugzeug ihrer Zeit. Ein Prototyp (Me 163 A) überschritt am 2. Oktober 1941 unter Testpilot Heini Dittmar mit 1.004,5 km/h erstmals die 1.000-km/h-Marke.
Die Messerschmitt Me 163 nutzte während ihrer gesamten Entwicklungs- und Einsatzgeschichte eine konsequente Gemischtbauweise, bei der Holz eine entscheidende Rolle spielte. Während der spindelförmige Rumpf des Raketenjägers aus Leichtmetall bestand, wurden die gepfeilten Tragflächen sowie die Seitenflosse vollständig aus Holz gefertigt und mit einer Sperrholzschicht beplankt. Diese Materialwahl wurde auch bei allen späteren Weiterentwicklungen wie der Me 163 C oder der Me 263 nicht verändert. Der Einsatz von Holz hatte vor allem strategische Gründe: Er schonte die im späten Zweiten Weltkrieg extrem knappen Aluminiumreserven des Deutschen Reichs und erlaubte es gleichzeitig, die Fertigung der Flügel an zivile Handwerksbetriebe wie Schreinereien und Möbelfabriken auszulagern.
Das Holz bei der Produktion stellte aber auch eine Herausforderung dar, denn Messerschmitt selbst war eher auf Metall spezialisiert. Daher suchte man sich Partner bei der Verarbeitung von Holz und fand diese im Vogtland. Konkret hat das Unternehmen im Jahr 1942 von der Kunstmöbelfabrik Albin May in Zeulenroda Bauteile für die Me 163 anfertigen lassen. Albin May war zwar eher auf Möbel in Form von Speise- oder Herrenzimmern spezialisiert, aber im Krieg war das natürlich egal. Leider ist nicht ersichtlich, für welche Version der ME 163 die Teile sein sollten und es ist auch nicht ganz klar, was genau gefertigt wurde. Die Einstufung der Zulieferung als „dringendes Rüstungsgut“ macht aber deutlich, das Messerschmitt die Produktion damals als sehr wichtig eingestuft hat.

Generell waren alle Hinweise zur ME 163 streng geheim und solche Dokumente mit Anforderungen von Lieferungen und Material sind die absolute Ausnahme. Wahrscheinlich war es der Dringlichkeit geschuldet, dass diese Anfrage in den normalen Dokumenten auftauchte.
HINWEIS Das Titelbild der ME 163 wurde KI generiert.


