Das Stadtbild von Jena verändert sich seit Jahren spürbar: Während klassische Einzelhandelsgeschäfte zunehmend unter Druck geraten und teilweise verschwinden, wächst die Präsenz bestimmter Dienstleistungsformen und Gastronomiebetriebe wie Barbershops, Imbisse und Nagelstudios. Das geht aus einer aktuellen Antwort des Thüringer Wirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage im Landtag hervor (Drucksache 8/4422). Die Entwicklung wirft Fragen zur künftigen Nutzung der Innenstadt und zur Vielfalt des lokalen Gewerbes auf.
Bestandsaufnahme: Zahlen und Fakten zum Jenaer Gewerbe
Wie aus den Daten der IHK Ostthüringen und der Handwerkskammer hervorgeht, zeigt sich in Jena ein stark ausdifferenziertes Bild. So sind in der Lichtstadt aktuell 21 Barbershops offiziell in der Handwerksrolle eingetragen. Die Mehrzahl dieser Betriebe wird über angestellte Betriebsleiter geführt, während nur drei Inhaber selbst über einen Meisterbrief im Friseurhandwerk verfügen. Im Rahmen von Vor-Ort-Kontrollen der Handwerkskammer seit Februar 2025 wurden in Jena insgesamt 23 Überprüfungen zur Einhaltung handwerksrechtlicher Vorgaben durchgeführt.
Neben den Barbershops verzeichnet das IHK-Register für Jena weitere markante Branchenzahlen:
- Imbisse / Gastronomie: 152 Betriebe
- Massage- und Wellnessstudios: 31 Betriebe
- Nagelstudios / Nageldesign: 19 Betriebe
- Shisha-Bars / Raucherlokale: 1 Betrieb
Strukturwandel im stationären Einzelhandel
Der klassische, inhabergeführte Einzelhandel steht derweil vor großen Herausforderungen. Insgesamt ist die Zahl der ansässigen Einzelhandelsunternehmen in Jena in den letzten Jahren leicht von 850 (2016) auf aktuell 842 zurückgegangen. Hinter diesem moderaten Saldo verbirgt sich jedoch ein tiefergehender Strukturwandel: Viele Händler wandern in den reinen Onlinehandel ab oder geben auf, während andere Segmente teils Zuwächse verzeichnen.
Ein Blick auf einzelne Branchen im Zehnjahresvergleich verdeutlicht die Verschiebungen:
- Modegeschäfte: Rückgang von 61 (2017) auf 38 Geschäfte.
- Haushaltswaren: Rückgang von 15 auf 10 Geschäfte.
- Buchhandel: Anstieg von 8 auf 17 Fachgeschäfte.
- Schreibwaren und Zeitungen: Zunahme von 12 auf 16 Betriebe.
- Spielwaren und Drogerien: Zuwachs von 8 auf 10 Standorte.
Bei den handwerklichen Nahversorgern im Lebensmittelbereich zeigt sich ein gemischtes Bild: Während die Zahl der traditionellen Bäcker stabil bei 4 Betrieben liegt und Konditoreien auf 2 gewachsen sind, verzeichnen Fleischer einen Anstieg auf 18 Betriebe – eine Zunahme, die laut Ministerium vor allem auf gerichtlich bestätigte Definitionen zur Eintragungspflicht von Frischfleischtheken in die Handwerksrolle zurückzuführen ist.
Politik und Stadtplanung: Wie wird gesteuert?
Die Konzentration bestimmter Gewerbeformen in bestimmten Stadtteilen sorgt regelmäßig für Diskussionen. Laut Landesregierung gibt das deutsche Gewerberecht (Gewerbefreiheit nach Grundgesetz und Gewerbeordnung) jedoch keine zahlenmäßige Beschränkung oder Gebietsmonopolen für bestimmte Branchen her.
Dennoch versucht die Stadt Jena, gegenzusteuern und die Aufenthaltsqualität zu sichern. Instrumente hierbei sind unter anderem das fortgeschriebene Einzelhandelsentwicklungskonzept, die „Innenstadtvision Jena 2035“ sowie der sich in Erarbeitung befindliche Masterplan Innenstadt. Die Stadt setzt dabei auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Citymanagement der Initiative Innenstadt Jena e. V. sowie der Wirtschaftsförderung, um durch ein aktives Flächen- und Leerstandsmanagement eine ausgewogene Mischung aus Handel, Gastronomie, Dienstleistung und Kultur zu fördern.


