
Nach der Nachricht über die geplante Schließung des Erfurter Logistikstandorts zum September 2026 versammelt man sich gestern in der Messe Erfurt zur ersten großen Betriebsversammlung. Ministerpräsident Mario Voigt und sein Kabinett nutzen diesen Moment für eine deutliche Ansage in Richtung der Konzernzentrale.
Klare Worte des Ministerpräsidenten
Man lässt in der Thüringer Staatskanzlei keinen Zweifel daran, was man von der Entscheidung des Mode-Riesen hält. Mario Voigt bezeichnete den Schritt als „verantwortungslos“ gegenüber den rund 2.700 Beschäftigten und deren Familien. Man dürfe Menschen, die über Jahre hinweg den Erfolg des Unternehmens mit ihrer Leistung erst möglich gemacht haben, nicht so unvorbereitet treffen.
„Nicht abwarten, sondern handeln – das ist jetzt das Gebot der Stunde“, betont Voigt. Man werde in Thüringen füreinander einstehen und niemanden zurücklassen.
Kritik an versäumten Investitionen
Auch Wirtschaftsministerin Colette Boos-John findet deutliche Worte für das Management. Man wirft Zalando vor, den Standort über Jahre hinweg vernachlässigt und notwendige Modernisierungen versäumt zu haben.
- Vermeidbarkeit: Aus Sicht des Ministeriums wäre die Schließung keineswegs alternativlos gewesen.
- Umgang mit Mitarbeitern: Man kritisiert die Art der Kommunikation als „schäbig“. Viele Mitarbeiter seien stolze „Zalandos“ gewesen und stünden nun vor dem Nichts.
- Fördermittel-Debatte: Man weist darauf hin, dass man den Hebel der Wirtschaftsförderung zwar im Blick behalte, Zalando jedoch aus beihilferechtlichen Gründen kaum noch förderfähig wäre.
Vorwurf der mangelnden Loyalität
Arbeitsministerin Katharina Schenk kritisiert vor allem den Vertrauensbruch. Man habe als Land mit Fördermitteln geholfen, während die Stadt Erfurt extra eine Buslinie und Radwege für das Unternehmen eingerichtet hat. Man sei nun von der Rückzugsentscheidung völlig überrascht worden.
- Forderung nach Mitbestimmung: Man stellt klar, dass ein Betriebsrat kein „Nice-to-have“ ist. Man werde darauf drängen, dass Zalando nicht „zu billig davonkommt“ und seine Mitteilungspflichten gegenüber der Belegschaft nun vollumfänglich nachholt.
Wie geht es jetzt weiter?
Man hat bereits eine Task Force Zalando ins Leben gerufen. Die Landesregierung, die Stadt Erfurt, die Arbeitsagentur und die LEG Thüringen ziehen an einem Strang, um rasch neue Perspektiven zu eröffnen.
- Jobvermittlung: Man setzt auf die hohe Nachfrage anderer Logistikunternehmen in Mittelthüringen.
- Qualifizierung: Man unterstützt gezielte Beratungen direkt vor Ort.
- Investorensuche: Man arbeitet mit Hochdruck an Folgelösungen für den Standort im Erfurter Güterverkehrszentrum (GVZ).

