Die kommunale Wärmewende im Freistaat nimmt spürbar an Fahrt auf. Seit rund einem Jahr steht den Thüringer Städten und Gemeinden ein digitales Werkzeug zur Verfügung, das sich als unverzichtbarer Helfer erwiesen hat: das Thüringer Wärmekataster. Das vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten beauftragte und bei der Thüringer Energieagentur (ThEGA) angesiedelte System unterstützt Kommunen sowie deren Planungsbüros effektiv bei der Datenrecherche für die gesetzlich verpflichtende kommunale Wärmeplanung.
Die Resonanz nach den ersten zwölf Monaten ist durchweg positiv. Weit mehr als 200 Kommunen im gesamten Freistaat haben den Service der ThEGA bereits aktiv genutzt und maßgeschneiderte Datensätze für ihre lokalen Planungen angefordert – die Spanne der teilnehmenden Orte reicht dabei quer durch das Land von Artern bis Vogelsberg und von Seligenstädt bis Ecklingrode.
Höhere Effizienz und geringere Kosten für Städte und Gemeinden
Das Wärmekataster bündelt umfassende Informationen zum Wärmebedarf aller beheizten Wohngebäude in Thüringen. Für die lokalen Entscheidungsträger bedeutet dies eine enorme Erleichterung im bürokratischen Prozess.
Thüringens Energieminister Tilo Kummer sieht in der regen Nutzung eine Bestätigung für den gewählten Weg:
„Die hohe Nachfrage zeigt, dass die Datenrecherche einfacher geworden ist und damit Aufwand sowie Kosten für die Kommunen gesenkt werden. Denn sie erhalten durch das Kataster nicht nur aktuelle Daten, sondern auch wichtige Informationen über zukünftige Einsparpotenziale durch energetische Sanierungen.“
Gleichzeitig lenkt der Minister den Blick auf ein zentrales Zukunftsthema: die industrielle Abwärme. Ob aus Fabriken, Rechenzentren oder Kläranlagen – hier schlummerten oft noch ungenutzte Reserven, die lokale Wärmenetze erst wirtschaftlich machen könnten. Um diese Potenziale bundesweit besser zu erschließen, kündigte Kummer an, das Thema bei der anstehenden Energieministerkonferenz in der kommenden Woche auf die Tagesordnung zu setzen und einen eigenen Antrag für Thüringen einzubringen.
Urbane Zentren als Vorreiter bei den Wärmeplänen
Aktuell befinden sich in Thüringen Wärmeplanungen für rund 1,1 Millionen Einwohner in der Umsetzung. Vor allem die größeren Kommunen und städtischen Zentren erweisen sich als Vorreiter und haben ihre Hausaufgaben bereits erledigt. So liegen die fertigen Wärmepläne für Städte wie Jena, Eisenach, Rudolstadt und Sömmerda bereits vor.
Ein klarer Trend lässt sich aus diesen Plänen bereits ablesen: In den urbanen Gebieten konzentrieren sich die Maßnahmen vor allem auf den Ausbau sowie die Verdichtung bestehender Wärmenetze.
Detaillierte Daten unter strengem Datenschutz
Das Kataster liefert den Fachplanern hochpräzise Grundlagen. Zu den bereitgestellten Informationen gehören unter anderem spezifische Gebäudedaten wie:
- Gebäudehöhe und Gebäudenutzung
- Baujahr und die aktuell installierte Heizungsart
- Modellierte Wärmebedarfe auf Einzelgebäudeebene
Je nach konkretem Planungsbedarf können diese Daten für ausgewählte Gebiete oder einzelne Straßenzüge exakt ausgegeben werden. Der Datenschutz bleibt dabei streng gewahrt: Die sensiblen Datensätze sind ausschließlich den Kommunen für die Erfüllung ihrer gesetzlichen Pflicht zur Wärmeleitplanung zugänglich. Eine Weitergabe ist nur an die explizit mit der Planung beauftragten Fachbüros gestattet.
Trotz der guten Datenbasis stehen die Kommunen bei der langfristigen Planung vor planerischen Unsicherheiten – insbesondere was die künftige Verfügbarkeit und Versorgung mit grünem Methan oder grünem Wasserstoff betrifft. Viele Städte und Gemeinden reagieren auf diese Unwägbarkeiten mit strategischer Flexibilität: Sie weisen in ihren Konzepten vorerst sogenannte Prüfgebiete aus. Diese Areale sollen zu einem späteren Zeitpunkt, im Zuge der ohnehin vorgeschriebenen Fortschreibung der Wärmepläne, auf Basis neuer technologischer und wirtschaftlicher Erkenntnisse neu bewertet werden.


