Anhaltende Hitze und Trockenheit haben im Erntejahr 2026 ihre Spuren in der Thüringer Landwirtschaft hinterlassen. Wie aus der offiziellen Antwort des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum auf eine Kleine Anfrage (Drucksache 8/4498) hervorgeht, fällt die diesjährige Getreide- und Rapsbilanz spürbar schwächer aus als im Vorjahr.
Rückläufige Erträge bei Getreide und Raps
Der durchschnittliche Hektarertrag für Getreide (ohne Körnermais und CCM) liegt im vorläufigen Ergebnis bei 69,8 Dezitonnen pro Hektar (dt/ha). Damit sank der Ertrag im Vergleich zum Vorjahr (76,3 dt/ha) um rund 8,5 Prozent. Auch im Vergleich zum mehrjährigen Mittel (2020 bis 2025 mit 71,0 dt/ha) ergibt sich ein leichter Rückgang um 1,7 Prozent.
- Gesamt-Getreidemenge: Mit rund 2,28 Millionen Tonnen verzeichnet Thüringen einen Rückgang von rund 12 Prozent im Vergleich zum starken Vorjahr (2,59 Millionen Tonnen).
- Winterraps: Besonders hart traf es den Raps, dessen Hektarertrag von 34,8 dt/ha (2025) auf 28,5 dt/ha sank (-18,1 Prozent). Die Gesamterntemenge fiel um rund 17 Prozent auf ca. 281.700 Tonnen.
- Kartoffeln und Zuckerrüben: Hier zeigen sich die massivsten Einbußen. Bei Kartoffeln sank der Hektarertrag um knapp 35 Prozent auf 250 dt/ha (Vorjahr: 384,3 dt/ha), während bei Zuckerrüben ein Rückgang des Hektarertrags um rund 19 Prozent auf 600 dt/ha verzeichnet wurde.
Positive Ausnahmen bei der Getreidequalität
Trotz der geringeren Mengen gibt es bei den Qualitätsmerkmalen des Getreides erfreuliche Nachrichten. So weist der Weizen nach Analysen des Max-Rubner-Instituts einen durchschnittlichen Rohproteingehalt von 13,8 Prozent auf, was über dem Wert des Vorjahres liegt. Auch Sedimentationswerte und Fallzahlen deuten überwiegend auf erreichte Backqualität hin. Alle bisher untersuchten Roggenproben erfüllen zudem die Anforderungen an Brotroggenqualität.
Situation in der Tierhaltung und auf dem Grünland
Der erste und zweite Aufwuchs bei Feld- und Kleegras brachte zwar solide Erträge ein, sodass die Grundversorgung mit Heu und Grassilage gesichert ist. Regional sorgte die Trockenheit ab Juni jedoch für spürbare Probleme bei der Grünfutterversorgung:
- Aufweichende beziehungsweise ausgetrocknete Tränkwasserstellen machten mancherorts Wassertransporte auf Weiden erforderlich.
- Zur Entlastung der Betriebe erließ das Ministerium befristete Ausnahmeregelungen zur Beweidung und Futtergewinnung auf KULAP-Schonstreifen.
- Die Niederschläge der letzten Wochen sorgten im Spätsommer zwar für eine Entspannung auf dem Grünland, konnten das Gesamtminus jedoch nicht mehr vollständig kompensieren.
Wirtschaftliche Folgen und Liquidität
Die Umsatzerlöse der Thüringer Landwirte stehen durch die geringeren Erntemengen und gestiegene Betriebsmittelkosten unter Druck. Laut Berechnungen des Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TLLLR) müssen Ackerbaubetriebe im Vergleich zum dreijährigen Durchschnitt mit Mindereinnahmen von rund 266 Euro je Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche rechnen (bei Verbundbetrieben ca. 230 Euro/ha, bei Futterbaubetrieben rund 149 Euro/ha).
Eine akute Existenzgefährdung oder flächendeckende Liquiditätskrisen von Betrieben sind dem Ministerium auf Basis der aktuellen Betriebsberatung jedoch nicht unmittelbar gemeldet worden. Da die Einbußen in Thüringen (anders als in extremen Dürrejahren wie 2018) flächendeckend die unionsrechtlich geforderten Schwellenwerte für reine Ad-hoc-Beihilfen oft nicht erreichen, verweist die Landesregierung primär auf überregionale Liquiditätshilfeprogramme (etwa über die Landwirtschaftliche Rentenbank) sowie auf den politischen Einsatz für eine steuerliche Risikoausgleichsrücklage.


