Weimar: Autokino „Lichtblick“ feiert am Freitag Premiere

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Mitglieder des Vereins testen die Beamertechnik, Copyright: Andreas Bauermeister

Film „Der Junge muss an die frische Luft“ zur Premiere

Der Innenhof der Alten Feuerwache in der Erfurter Straße 37 verwandelt sich ab Freitag, den 15. Mai 2020, in ein Autokino mit 35 Plätzen.

„Wir haben unser Kino Lichtblick getauft, weil wir den Menschen in Weimar auch in Zeiten weitreichender Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie ein gemeinsames Kulturerlebnis anbieten wollen.“ erklärt Christian Meyer, Vorstand im Alte Feuerwache Weimar e.V., zur Motivation der Vereinsmitglieder.

Die gleichnamige Bürgerinitiative hatte kurz nach dem Corona-Shutdown verschiedene Akteure der Weimarer Kulturszene eingeladen, gemeinsam ein Konzept für die temporäre Nutzung ihres Innenhofs zu entwickeln, bis die Baustelle voraussichtlich Ende des Jahres eröffnen würde. Gemeinschaftlich entwickelten die Initiatoren ein buntes Non-Profit Kulturprogramm.

Der Einladung des Vereins waren u.a. Rolf C. Hemke, künstlerischer Leiter des Kunstfest Weimar, Martin Kranz, Intendant der ACHAVA Festspiele Thüringen, Steffen Knabe, Geschäftsführer des Knabe Verlags, Gerhard Klein, Geschäftsführer bei Der Filmverleih GmbH, sowie Sven Opel und Dirk Heinje, Geschäftsführer des Lichthaus Kinos, gefolgt.

Genehmigung erteilt

Vergangenen Dienstag, den 5.Mai, trafen sich die Veranstalter vor Ort mitBürgermeister Ralf Kirsten sowie Vertretern des Ordnungsamtes und der Feuerwehr, um die notwendigen Auflagen zu besprechen. Eine Woche später erfolgte die Genehmigung. Währenddessen arbeiteten die Akteure auf Hochtouren, um die technische Infrastruktur zu schaffen, das Programm für die ersten 15 Spieltage zusammenzustellen und die Website mit Inhalten zu füllen.

Programm im Mai

Unter www.lichtblick-weimar.de können Kinofans ab sofort im Programm stöbern und Tickets buchen. Das Lichthaus Kino ist für die Vorführungen verantwortlich und zeigt zur Premiere am Freitag den Film „Der Junge muss an die frische Luft“.

Die Spieltage im Mai bieten aktuelle Filme und Klassiker („Die Känguru-Chroniken“, Blake Edwards „Frühstück bei Tiffany“), Filmpremieren („Wir machen keinen Film“) undDokumentationen mit anschließenden Liveschaltungen zu Zeitzeugen.

Jeden Dienstag bietet das Lichtblick Clubkino Sponsoren die Möglichkeit einen Exklusivabend mit eigener Filmauswahl zu buchen. Auch für weitere finanzielle Unterstützung ist das ehrenamtliche Organisationsteam dankbar. Nur dank Förderung wird das Programm einem breiten Publikum zugänglich.

Sven Opel, Geschäftsführer des Lichthauses betont:

„Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu den Blockbuster-Autokinos auf dem Messegelände Erfurt oder am Stausee Hohenfelden. Vielmehr schaffen wir ein kleines charmantes Open Air Kino in Weimar – Kulturgenuss für laue Sommernächte in urbaner Atmosphäre. Dafür eignet sich der Hof der Alten Feuerwache perfekt.“

Das Kunstfest Weimar und die Achava Festspiele Thüringen gestalten gemeinsam einen Abend pro Woche in Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald vor 75 Jahren.

Den Anfang macht der Dokumentarfilm „Kinderblock 66“ am 23. Mai. Vor dem Film findet ein Livestream-Gespräch mit einem der letzten noch lebenden Protagonisten des Films statt: Naftali Fürst kam als 12-Jähriger nach Buchenwald. Er lebt heute mit seiner Familie heute in Haifa (Israel).

Am 30. Mai folgt die Dokumentation „The euphoria of being“ mit einer Live-Schaltung zur Protagonistin Éva Pusztai Fahidi. Éva überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald. Sie lebt heute mit ihrer Familie in Budapest (Ungarn).

„Wir wollen uns an den Gedenkfeiern zur 75-jährigen Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald beteiligen und das Lichtblick Autokino nutzen, um gemeinsam mit den Überlebenden das Erinnern wach zu halten.“, erklärt Martin Kranz, Intendant der Achava Festspiele Thüringen, „Für beide Veranstaltungen werden wir die Karten kostenfrei über die regionale Zeitung, lokale Radios und die Website des Kinos verlosen.“

Ablauf und Preise

Franziska Bernstein, Geschäftsführerin der Alte Feuerwache Projekt GmbH und Koordinatorin des Autokinos erklärt den Ablauf: „Filmstart ist jeweils 21:30 Uhr. Eine Stunde vorher öffnen wir den Hof und leiten die Besucher auf ihre Parkplätze. Die Online-Tickets werden kontaktlos durch die Autoscheibe gescannt. Unser Kino bietet Platz für maximal 35 Autos. Der Ton wird über das eigene Autoradio empfangen. Getränke und Snacks gibt es über unseren kontaktlosen Drive-in-Schalter.“

Die Ticketpreise in Höhe von 20 Euro zzgl. Vorverkaufgebühr werden pro Auto berechnet, unabhängig von der Anzahl der Insassen. Entsprechend der gültigen Kontaktregeln dürfen maximal zwei Personen verschiedener Haushalte oder aber Familien, d.h. mehrere Angehörige desselben Haushalts in einem Wagen sitzen.

Zukünftig Stühle statt Autos?

Der Kinobesuch im Auto ist in erster Linie Mittel zum Zweck. Denn so können die derzeit gültigen Kontaktregeln für öffentliche Kulturveranstaltungen leicht eingehalten werden.

Christian Meyer wagt einen Blick in die Zukunft:

„Sollten die Kontaktregeln in den nächsten Monaten weiter gelockert werden, hoffen wir, eine Genehmigung für die Umstellung von Autos auf Bestuhlung zu erhalten. Mit Stühlen ließe sich der 1.5m Abstand zwischen den Gästen nach wie vor einhalten, ohne dass der Open Air Kinosommer von Motorgeräuschen gestört werden müsste.“

Die Tonübertragung würde im Falle einer Bestuhlung über eine spezielle Handy-App undmitgebrachte Kopfhörer erfolgen. „Silent Cinema“ heißt diese Technik und bietet den maximalen Filmgenuss, ohne die Anwohner zu stören. Vorerst wurde das Autokino bis Mitte Juni genehmigt. Die ersten 5 Wochen wollen die Veranstalter die Nachfrage testen und ggf. neue Partner für eine Programmerweiterung gewinnen. Bei guter Auslastung könnte das Lichtblick Kino bis Oktober 2020 öffnen.

Hintergründe zur Feuerwache

Die Alte Feuerwache in der Erfurter Straße 37 mitsamt den angrenzenden Gründerzeit-Wohnhäusern war über 12 Jahre eine der letzten großen brachliegenden kommunalen Liegenschaften in Weimars Innenstadt. Mit dem Verkauf des 3.770 m² großen Geländes im Konzeptverfahren an die gleichnamige Bürgerinitiative im September 2019 wurde der Weg frei für eine nachfrageorientierte Umnutzung mit Modellcharakter.

Neue Eigentümerin ist die Alte Feuerwache Weimar Projekt GmbH. Deren Gesellschafter ist ein Verein. Dessen Mitglieder sind die zukünftigen Mieter der entstehenden Wohn- und Gewerbeeinheiten. Die Mitgliedschaft der GmbH im Verbund des deutschlandweiten Mietshäuser Syndikats bietet ein erprobtes Finanzierungsmodell, professionelle Beratung und verhindert den Weiterverkauf der Immobilie.

Motivation für die Interimsnutzung

Die geplante Interimsnutzung der Alten Feuerwache bis zur Eröffnung der Baustelle ist wichtiger Teil der laufenden Öffentlichkeitsarbeit. Die Bürgerinitiative freut sich über Menschen, die sich an der Finanzierung des Quartiersprojektes beteiligen möchten. Darüber hinaus möchten die Mitglieder des Vereins den kunst- und kulturinteressierten Menschen in Weimar mit dem Autokino einen Vorgeschmack darauf geben, was die Alte

Feuerwache bieten kann, wenn 2024 die Umbaumaßnahmen abgeschlossen und der Hof und große Veranstaltungssaal eröffnet werden.

Gemeinsame Pressemitteilung von
Christian Meyer, Vorstand Alte Feuerwache Weimar e.V.
Franziska Bernstein, Geschäftsführerin Alte Feuerwache Weimar Projekt GmbH
Rolf C. Hemke, künstlerische Leitung Kunstfest Weimar
Gerhard Klein, Geschäftsführer Der Filmverleih GmbH, Vorstand Radio Lotte e.V.
Martin Kranz, Intendant ACHAVA Festspiele Thüringen
Steffen Knabe, Geschäftsführer Knabe Verlag Weimar
Sven Opel und Dirk Heinje, Lichthaus Kino.

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