KOWO Erfurt: Fernwärme-Preise werden sich verdreifachen

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Der steigende Fernwärmepreis betrifft auch die Mieterinnen und Mieter der Kowo. Bei einer Pressekonferenz informierte die Kommunale Wohnungsgesellschaft darüber, welche Auswirkungen diese auf ihre Mieter haben werde. Außerdem gab die Bürgermeisterin Einblick in die Auswirkungen auf die kommunalen Finanzen.

Stadtverwaltung und Wohnungswirtschaft suchen nach sozialverträglichen Lösungen

Die Bürgermeisterin und Sozialbeigeordnete Anke Hofmann-Domke sprach davon, dass man den Mietern der Kowo keine Angst machen, sondern diese frühzeitig informieren wolle. Gemeint war ein Schreiben der Kowo, das in diesen Tagen an alle privaten und gewerblichen Mieterinnen und Mieter ging. Darin informierte die Wohnungsgesellschaft darüber, dass sich der Fernwärmepreis bis zum Sommer dieses Jahres verdreifachen werde und sie deshalb empfehle, die Vorauszahlung auf die Nebenkosten um 1 Euro pro Quadratmeter Wohnungsfläche und Monat zu erhöhen.

Der Geschäftsführer der Kowo, Alexander Hilge, verwies darauf, dass im aktuellen Schreiben der 22. April als Frist für eine freiwillige Erhöhung der Vorauszahlung gesetzt ist. Diese würde dann ab dem 1. Mai greifen. Hierauf hätten sich in den ersten Tagen auch schon einige Mieter gemeldet und einer Erhöhung der Vorauszahlung zugestimmt. Wiederum werde die Kowo ab Mai ein weiteres Schreiben an die Mieterinnen und Mieter verschicken, das eine verpflichtende Erhöhung der Nebenkostenvorauszahlung um 1 Euro pro Quadratmeter Wohnungsfläche und Monat zum 1. Juni dieses Jahres ankündigen wird. Somit solle erreicht werden, dass die Mieter vor einer zu hohen Nachzahlungsforderung im Jahr 2023 bewahrt werden. „Wir können somit ein gewisses Nachzahlungsrisiko nicht verhindern, es aber deutlich abmildern“, so Hilge. Ihm sei auch bewusst, dass diese Mehrkosten für viele Mieter erhebliche Probleme mit sich bringen würden. Stand jetzt hätten die Mieter der Kowo bereits rund 7 Millionen Euro Nebenkosten vorausgezahlt. Tatsächlich kosten würden diese die Kowo aber nun bereits 14 bis 17 Millionen Euro. Pro Monat entstehen der Kowo so derzeit rund 600.00 Euro Mehrkosten. Daher hoffe Hilge darauf, dass möglichst viele Mieter freiwillig mehr zahlen. Sollten Mieter aber nicht in der Lage dazu sein, sollten sich diese vertrauensvoll an die Kowo wenden und es würden flexible Finanzierungsmöglichkeiten gesucht. Das oberste Ziel sei es, dass die Mieter in ihren Wohnungen bleiben können.

Als Gründe für die gestiegenen Energiepreise nannte Karel Schweng, Geschäftsführer der SWE Energie GmbH, in erster Linie die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine, aber auch andere weltpolitische Ereignisse. Würde der Gashahn durch die Russen zugedreht, seien die Folgen noch schlimmer als bisherige Prognosen vermuten ließen. Dies berge wiederum gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Sprengstoff. Die Energiekrise sei nicht vorbei, solange der Krieg in der Ukraine laufe.

Auch Frank Warnecke vom Thüringer Mieterbund wolle ein böses Erwachen der Mieter im kommenden Jahr verhindern und unterstütze deshalb die Erhöhung der Vorauszahlungen. Dabei solle aber auch darauf geachtet werden, dass die gestiegenen Energiekosten bei Neuvermietungen realistisch dargestellt werden. Bei vielen Mietern sei noch nicht das Bewusstsein für diese drastisch gestiegenen Energiepreise angekommen.

Von einer Zunahme der Leistungsempfänger in Folge der gestiegenen Energiepreise geht deshalb Matthias-Benedikt Schareck, Abteilungsleiter im Amt für Soziales, aus. Deshalb stehen er und die Bürgermeisterin im Austausch mit dem Jobcenter und anderen Akteuren, um hier Lösungen für die Menschen zu finden. Auch habe es am Freitag, so Hofmann-Domke, ein Gespräch der Stadtverwaltung mit der SWE-Energie-Gruppe gegeben in dem es um die soziale Sicherheit der Bürger mit Transferleistungen, aber auch die Stadtverwaltung selbst als Kunde der Stadtwerke ging. „Wir gehen davon aus, dass auf die Stadt Energiemehrkosten im zweistelligen Millionenbetrag zukommen werden“, so Hofmann-Domke.

Frank Emrich, Vorstand der Wohnungswirtschaft Thüringen, betonte, dass es sich bei den Preiserhöhungen nicht um eine Banalität handle. Er rechnete vor, dass für eine Wohnung mit 60 Quadratmetern schon jetzt rund 70 Euro im Monat vorausgezahlt würden. Um alle Mehrkosten auszugleichen, müssten nun 100 Euro pro Monat hinzukommen, was wiederum 1.200 Euro im Jahr entspreche. Daher empfehle er allen Wohnungsunternehmen, das Gespräch mit den Mietern zu suchen und die Vorauszahlungen entsprechend zu erhöhen. Dies diene letztendlich auch den Wohnungsgesellschaften selbst.

Die Kowo informiert ihre Mieterinnen und Mieter neben Deutsch auch in Russisch, Arabisch, Persisch und Englisch über die aktuelle Situation. Um Anfragen per E-Mail gezielt beantworten zu können, hat die Kowo außerdem mit heizkosten@kowo.de ein zentrales Postfach eingerichtet.

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