Thüringen: So soll das Land vor Niedrig- und Hochwasser geschützt werden

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Umweltministerin Siegesmund: „Aufgrund der Klimakrise fordern uns Extremwetter wie Starkregen und Dürre immer stärker. Darauf bereiten wir uns vor.“

Umweltministerin Anja Siegesmund stellte am Dienstag das fortgeschriebene Landesprogramm Hochwasserschutz und eine neue Niedrigwasserstrategie für Thüringen vor. Damit bereitet sich die Landesregierung zusammen mit den Partnern in Verbänden und Kommunen auf mehr Extremwetter in den Regionen vor. 

„Die Extremwetterereignisse nehmen zu, Hochwasser und Starkregen ebenso wie Dürre und Trockenheit. Wir wissen, welche Schäden große Wassermengen anrichten können und gleichzeitig, wie kostbar Wasser gerade in Trockenzeiten ist – für unsere Wälder, für die Landwirtschaft, für uns alle. Wir wollen Flüssen mehr Raum geben und den technischen Hochwasserschutz stärken. Wir wollen die natürlichen Ressourcen des Grundwassers und der Gewässer besser schützen, mehr Wasser in der Fläche, den Städten und Gewässern sowie Talsperren zurückhalten und das verfügbare Wasser effizient nutzen“, so Umweltministerin Siegesmund.

Das Thüringer Landesprogramm Hochwasserschutz für den Zeitraum 2022–2027 enthält ca. 400 Millionen Euro und knapp 900 Maßnahmen des Landes, der Kommunen und der Gewässerunterhaltungsverbände zur Verbesserung des Hochwasserschutzes in Thüringen:

  • 65 km Hochwasserschutzanlagen des Landes sollen baulich verändert und das Schadenspotential weiter gesenkt werden, wovon 80.000 Thüringerinnen und Thüringer direkt profitieren. Damit knüpft das neue Landesprogramm an die Maßnahmen 2016 bis 2021 an, mit denen der Hochwasserschutz bereits für ca. 30.000 Thüringerinnen und Thüringer neu geschaffen bzw. verbessert wurde.
  • Durch Deichrückverlegungen sollen 1.600 Hektar an Retentionsfläche wiedergewonnen werden. Damit stärken wir den natürlichen Hochwasserschutz und schaffen eine Vernetzung zwischen Aue und Fluss. Hierfür hat Thüringen als erstes Bundesland eine Entschädigungsregelung für landwirtschaftliche Flächenbewirtschafter erarbeitet. Präventiv sollen durch die Ausweisung von Überschwemmungsgebieten an mehr als 600 Kilometern Gewässer neue Hochwasserrisiken vermindert und die Hochwasserprognosen weiter verbessert bzw. einfacher zugänglich gemacht werden.
  • Wir stärken die kommunale Hochwasserabwehr durch Wasserwehrdienste. Die Einsatzkräfte werden im neuen Thüringer Hochwasserschulungszentrum geschult.
  • Zudem investieren wir rund 15 Millionen Euro in die kommunale Starkregenvorsorge. Hier geht es insbesondere um gemeinsam erarbeitete Schutzkonzepte (und sich daraus ableitende Umbauten) mit den Gemeinden. 

Die neue Niedrigwasserstrategie Thüringen bereitet die Regionen dagegen auf Trockenheit und Dürre vor.  Thüringen ist neben Brandenburg erst das zweite Bundesland mit einer landesweiten Strategie. Dabei geht es um bessere Prognosegrundlagen und passende Problemlösungen:

  • Das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) bereitet Wasserbilanzen für alle Regionen vor. Das verschafft den Behörden und Wassernutzern einen besseren Überblick, wo wieviel Wasser verfügbar ist. Zukünftige Veränderungen dieser Bilanzen werden mit den im TLUBN bereits vorhandenen Klimamodelldaten thüringenweit ermittelt. Auf diese Weise können zielgenauer und im Voraus regionale Wassermangelgebiete erkannt werden.
  • Mit den Wasserversorgern und der Fernwasserversorgung sollen Klimastresstests durchgeführt werden. So wird ein besonders trockener Sommer für mehrere Jahre in Folge angenommen. Die bestehenden Versorgungssysteme können daraufhin geprüft werden, ob sie erweitert und anders vernetzt sein müssten.  
  • Wir bauen das bereits existierende Niedrigwasserportal für kommunale Akteure in den Verwaltungen auf, mit dem Ziel gemeinsamer Warn- und Alarmstufen und schneller Kommunikations- und Meldewege. Für Dürrephasen werden gewässerbezogene Aktionspläne aufgestellt. Thüringerinnen und Thüringer können zudem die App „Meine Pegel“ für schnelle Informationen nutzen.
  • Die Talsperrensteuerung wird dynamischer, wenn sie auf mittelfristige Witterungsvorhersagen reagiert. So können der Wasserrückhalt in den Talsperren verbessert und Wasserreserven in Thüringen erhöht werden. Wir prüfen zudem, wie wir zuletzt ungenutzte Talsperren, z.B. Kleinspeicher, die regional in der Fläche verteilt sind, neu nutzen.
  • Naturnahe Fließgewässer sind robuster gegenüber Klimaänderungen. Deshalb sind auch eine gute Wasserqualität und Gewässerstruktur Teil der Klimaanpassungen.

Ebenfalls Teil der Niedrigwasserstrategie sind langfristige Querschnittsthemen, die bereits von der Landesregierung bearbeitet werden und noch stärker Berücksichtigung finden werden, u.a.:

  • Durch eine klimaangepasste Landwirtschaft (z.B. Anbaufrüchte mit geringem Wasserbedarf oder neue Pflüge-Techniken) und durch ökologischen Waldumbau wird die Grundwasserneubildung gestärkt.
  • Durch Regenwassermanagement, Entsiegelung und Speicherung wird der Wasserrückhalt in urbanen Räumen im Sinne einer Schwammstadt verbessert.

Hintergrund:

Das Landesprogramm Hochwasser finden Sie unter: https://aktion-fluss.de/hochwasserschutz/landesprogramm-hochwasserschutz/

Die Niedrigwasserstrategie finden Sie unter: https://umwelt.thueringen.de/themen/top-themen/trockenheit-niedrigwasser/niedrigwasser

Mehr Extremwetter verzeichnet u.a. die Klimaagentur Thüringen, ebenso der DWD, aber auch das PIK. Die dramatischen globalen Folgen sind im aktuellen Bericht des Weltklimarats IPCC nachzulesen: www.de-ipcc.de.

Quelle.

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