Jena: Pilotprojekt zur Corona-Überwachung im Abwasser gestartet

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Während der Corona-Pandemie haben sich die Grenzen der bisherigen Überwachungsmethoden bei Infektionsgeschehen gezeigt. Ein hoher Personaleinsatz war zur Fallermittlung notwendig, Maßnahmen zur Eindämmung konnten teilweise erst zu spät eingeleitet werden und zu Hochzeiten wurden Infektionen durch die Überlastung der Labore erst mit großem Zeitverzug gemeldet.

Deshalb werden Alternativen zu den bisherigen Maßnahmen der systematischen Infektionserkennung erforscht. Eine davon ist die abwasserbasierte Surveillance (Überwachung), also die Untersuchung von Abwasserproben zur Analyse der Verbreitung bestimmter Infektionserreger. Die EU finanziert deshalb solche Konzepte. Für ein nationales Pilotprojekt »ESI-CorA: Systematische Überwachung von SARS- CoV-2 im Abwasser« (Laufzeit November 2021 bis März 2023) haben sich das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zusammengeschlossen. Die beiden Bundesoberbehörden RKI und Umweltbundesamt (UBA) sind als Projekt- partner beteiligt. Koordiniert wird das nationale Projekt vom Projektträger, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

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Am Pilotprojekt sind 20 deutsche Städte beteiligt – Jena ist eine davon. Hier kooperieren der Fachdienst Gesundheit mit dem Zweckverband JenaWasser/Abwasser sowie einem beauftragten Analytiklabor (SGS Analytiks). Seit Mitte Mai 2022 erfolgen zweimal wöchentlich an der Kläranlage Kunitz Beprobungen des Abwassers. Die Proben werden durch die Klärwerkmitarbeiter genommen und an das Analytiklabor gesandt, welches die Untersuchungen auf das SARS-CoV-2-Virus durchführt und die Ergebnisse an den Fachdienst Gesundheit sendet.

Es sind im Verlauf des Projektes nicht nur Untersuchungen hinsichtlich des Nachweises von SARS-CoV-2 geplant, es werden im Verlauf auch Sequenzierungsbeprobungen durchgeführt, in denen an der TU Darmstadt die Virus-Varianten bestimmt werden, welche in unserem Abwasser aktuell kursieren. Damit erhofft man sich Hinweise mit zeitlichem Vorlauf auf einen eventuellen Virus-Variantenwechsel (z.B. Omikron zu Delta). Bei vergleichbaren Messreihen im Berchtesgadener Land waren Veränderungen im Infektionsgeschehen bereits 10 Tage vor den offiziellen Fallzahlen erkennbar.

Das von der EU geförderte Projekt soll dabei unterstützen, das seitens der EU empfohlene europaweite SARS-CoV-2-Abwassermonitoring in Deutschland zu implementieren und evaluieren. Die Stadt Jena verfügt damit über einen wissenschaftlichen Indikator, welcher perspektivisch für die Arbeit des Krisenstabes ein wertvolles Pandemie-Management-Instrument darstellen kann. Durch das systematische SARS-CoV-2-Abwassermonitoring ist es weiterhin möglich, auch in Pandemiephasen mit niedrigen Inzidenzen, in denen eine Überwachung anhand von symptomatischen Patienten nur schwer möglich ist, einen Überblick über die in der Jenaer Bevölkerung zirkulierende SARS-CoV-2-Viren zu erhalten. 

Zukünftig kann das Abwassermonitoring aber auch dazu genutzt werden, um weitere Krankheitserreger, wie z.B. Influenzaviren (Grippeviren), Polioviren oder Erreger von Tierseuchen zu detektieren. Weiterhin kann diese Methode perspektivisch auch zum Nachweis und dem Verlauf des Auftretens antibiotikaresistenter Krankheitserreger oder auch zum Nachweis anderer gefährlicher Substanzen, wie Drogen, Medikamente, Schwermetallen usw. genutzt werden.

Quelle

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