- Europol, Bundeskriminalamt und Bayerisches Landeskriminalamt ermittelten; insgesamt 38 Länder beteiligt
- Durchsuchungen in 13 Bundesländern
- Plattform-Betreiber noch unbekannt
Bereits seit Anfang 2022 beschäftigen sich die bayerischen Ermittler mit der Darknet-Plattform „KidFlix“. Abweichend von anderen bereits bekannten derartigen Plattformen legt „KidFlix“ über den Download von Bildern hinaus den Fokus auf das Streamen von Videodateien, die teilweise den schweren sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen.
Nach Registrierung und Bezahlung eines Zugangs mit Kryptowährungen standen den internationalen Usern mehr als 91.000 Videos in hoher Bildqualität mit einer Gesamtlaufzeit von 6.288 Stunden zur Verfügung. Im Schnitt wurden rund 3,5 Videos pro Stunde neu auf die Plattform geladen.
Die mit Unterstützung der Behörden in den Niederlanden und der Schweiz geführten Ermittlungen, richteten sich gegen die Betreiber sowie ca. 190.000 Nutzer der Plattform, die im Zeitraum von April 2022 bis jetzt registriert waren. Durch die umfangreichen Ermittlungen gelang es, weltweit bislang 1.393 Tatverdächtige trotz der von ihnen versuchten Verschleierung ihrer Identität ausfindig zu machen. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stand dabei vor allem die akribische Nachverfolgung der Bezahlwege über Kryptowährungen, wobei es den Spezialisten des BLKA in mehreren Fällen gelang, diese trotz der Verwendung von Mixing-Diensten und von besonders auf Anonymität ausgelegten Kryptowährungen zu den Beschuldigten zurückzuverfolgen. Insgesamt waren ca. 1.800.000 Nutzer weltweit im Zeitraum von April 2022 bis jetzt zumindest zeitweise angemeldet.
Während des gesamten Verfahrens traten die Ermittler erkannten Gefahren für Kinder sofort wirksam entgegen. Sobald beispielsweise bekannt wurde, dass Kinder bei den Tatverdächtigen wohnten, wurden diese Verfahren an die jeweils zuständigen Justiz- und Polizeibehörden abgegeben, um unmittelbar geeignete Maßnahmen zum Wohle der Kinder ergreifen zu können. Die Identifizierung von missbrauchten Kindern war wesentlicher Bestandteil der Arbeit: So konnten unter anderem Kinder, die Opfer von sexuellem Missbrauch geworden waren in Nordrhein-Westfalen in Schutz genommen und in Brandenburg identifiziert werden.
Bereits Mitte Januar 2024 gelang den Ermittlern die Festnahme eines 36-jährigen Mannes im Bereich der Kriminalpolizeiinspektion Chemnitz. Dieser soll auf der Plattform „KidFlix“ Kinder zum schweren sexuellen Missbrauch gesucht haben. Nach seiner Identifizierung und dem Vollzug des erlassenen Haftbefehls wurde sein minderjähriger Sohn in die Obhut des Jugendamtes gegeben, da Hinweise auf einen sexuellen Missbrauch vorlagen.
Kriminalbeamte des Polizeipräsidiums Mittelfranken durchsuchten bereits am 24. Januar 2025 die Wohnung eines 30-jährigen Mannes. Nachdem bekannt geworden war, dass dieser sich kinderpornographisches Material auf der Plattform „KidFlix“ angesehen haben soll, wurde auch sein familiäres Umfeld sofort überprüft. Im gemeinsamen Haushalt lebten zwei minderjährige Kinder. Nach der Durchsuchung und Sicherstellung von Beweismitteln wurden die Kinder unmittelbar in die Obhut des zuständigen Jugendamtes übergeben, sie befinden sich jetzt nicht mehr in der Familie.
Als Ausfluss der internationalen Ermittlungen konnte auf der Grundlage der durch das BLKA erlangten und zur Verfügung gestellten Kryptowährungsdaten ein mutmaßlicher Missbrauchstäter in den Vereinigten Staaten verhaftet werden. Der Verdächtige soll Wiederholungstäter sein, der des anhaltenden Missbrauchs eines ihm bekannten minderjährigen Kindes beschuldigt wird, mit möglichen weiteren Opfern.
Am 10. März 2025 nahmen Beamte des Zentralen Kriminaldienst Hannover einen 52-jährigen Mann in Hannover fest. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden sie mehr als 70 Datenträger, eine Sex-Puppe, die den Körper eines kleinen Mädchens nachahmte, diverse Betäubungsmittel und Hinweise auf das Betreiben einer Darknet-Handelsplattform für Betäubungsmittel.
Auf Ersuchen des BLKA übernahm Europol die weltweite Koordination der Operation und beteiligte sich durch Datenanalysen unmittelbar an den erfolgreichen Ermittlungen. Neben dem Bundeskriminalamt auf nationaler Ebene initiierte Europol international die Identifizierung von Opfern und hatte so einen wichtigen Anteil an der erfolgreichen Durchführung dieser bedeutenden Maßnahme zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern.
In Bayern wurden im Rahmen eines gemeinsamen Action Days am 10. März 2025 neun Durchsuchungen bei neun Tatverdächtigen durchgeführt. Diese fanden in Augsburg, München, Nürnberg und in den Landkreisen Landsberg am Lech, Regen, Rosenheim, Oberallgäu, und Neumarkt i. d. Opf. statt. Insgesamt hatten im gesamten Ermittlungskomplex zwölf Tatverdächtige ihren Wohnsitz in Bayern.
In Deutschland fanden in 13 Bundesländern – Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Thüringen – 96 Durchsuchungen statt. Insgesamt wird hier gegen 103 Tatverdächtige ermittelt.
Von 10. bis 23. März 2025 beteiligten sich insgesamt 38 Staaten (Deutschland, Albanien, Georgien, Kanada, Kolumbien, Australien, Neuseeland, Serbien, USA, Vereinigtes Königreich, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn, Zypern, Island, Norwegen und Schweiz) an der konzertierten Operation zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern im Internet, die den Aktionsnamen „OP Stream“ führt. Die Initiative und Vorbereitung des Einsatzes übernahmen das Zentrum zur Bekämpfung von Kinderpornographie und sexuellem Missbrauch im Internet bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und das Bayerische Landeskriminalamt.
Im Rahmen der polizeilichen Maßnahmen wurden eine Vielzahl von elektronischen Datenträgern, Mobiltelefonen und PCs sichergestellt.
Die Ermittlungen im Gesamtkomplex dauern an, da insbesondere die Betreiber der Plattform bislang nicht identifiziert werden konnten.
[…] Am 2. April 2025 wurde ein bedeutsamer Schlag gegen die Darknet-Plattform „KidFlix“ vermeldet, die sich auf die Verbreitung von Kinderpornografie spezialisiert hatte. Unter der Koordination von Europol, dem Bundeskriminalamt und dem Bayerischen Landeskriminalamt zerschlugen Ermittler aus 38 Ländern diese kriminelle Plattform. Deutschlands Behörden führten umfangreiche Durchsuchungen in 13 Bundesländern durch, um die Betreiber und Nutzer der Plattform zur Rechenschaft zu ziehen. Die Ermittlungen begannen bereits Anfang 2022 und richteten sich gegen rund 190.000 mutmaßliche Nutzer, von denen 1.393 Tatverdächtige weltweit identifiziert wurden, berichtet thib24.de. […]