Während Deutschland insgesamt einen deutlichen Rückgang bei den Schulabgängern mit Hochschulreife verzeichnet, meldet der Freistaat Thüringen einen positiven Trend. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, stieg die Zahl der Studienberechtigten in Thüringen im Jahr 2025 spürbar an – eine Entwicklung, die im Kontrast zum bundesweiten Minus von acht Prozent steht.
Thüringen als regionaler Spitzenreiter
Während der massive Einbruch auf Bundesebene fast ausschließlich auf eine Umstellung im bayerischen Schulsystem zurückzuführen ist, zeigt der Blick in den Osten der Republik ein anderes Bild. Thüringen gehört 2025 zu den wenigen Bundesländern, die ein deutliches Plus verbuchen konnten:
- Zuwachs in Thüringen: Die Zahl der Studienberechtigten stieg im Freistaat um 4 % gegenüber dem Vorjahr.
- Regionaler Vergleich: Nur das benachbarte Sachsen schnitt mit einem Plus von 6 % noch dynamischer ab.
- Gegenentwurf zum Bundestrend: In anderen ostdeutschen Ländern wie Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern sank die Zahl hingegen um jeweils 3 %.
Damit festigt Thüringen seine Position als wichtiger Bildungsstandort für den akademischen Nachwuchs, während viele andere Flächenländer mit sinkenden Absolventenzahlen zu kämpfen haben.
Der „Bayern-Effekt“ verzerrt die Bundesstatistik
Der bundesweite Rückgang von rund 30.000 Studienberechtigten (-8 %) auf insgesamt 341.700 Personen klingt dramatisch, ist aber primär ein statistischer Sondereffekt. In Bayern lief 2024 das achtjährige Gymnasium (G8) aus, weshalb dort 2025 ein unvollständiger Abiturjahrgang abschloss. Dies führte im Freistaat Bayern zu einem Einbruch der Absolventenzahlen um 51 %. Rechnet man diesen Effekt heraus, blieben die Zahlen im restlichen Bundesgebiet mit einem leichten Rückgang von 0,7 % nahezu stabil.
Struktur der Hochschulreife 2025
Auch in Thüringen und dem restlichen Bundesgebiet zeigt sich eine klare Verteilung bei den Abschlüssen:
- Abschlussarten: Rund 80 % der Schulabgänger erwarben die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife. Die verbleibenden 20 % entschieden sich für die Fachhochschulreife.
- Schultypen: Zwei Drittel der Absolventen kommen von allgemeinbildenden Gymnasien, während ein Drittel seinen Abschluss an beruflichen Schulen erlangte.
- Geschlechterverteilung: Der Frauenanteil bleibt mit 54 % stabil. Bei der allgemeinen Hochschulreife stellen junge Frauen mit 55 % die Mehrheit, während das Verhältnis an Fachoberschulen fast ausgeglichen ist.
Herausforderung trotz Zuwanderung
Interessant ist der Blick auf die Demografie: Die relevante Altersgruppe der 17- bis 19-Jährigen ist in Deutschland insgesamt um 0,9 % gewachsen. Dieser Anstieg resultiert jedoch primär aus der Zuwanderung junger Menschen aus dem Ausland. Da diese Neubürger oft erst Sprachbarrieren überwinden und sich in das hiesige Schulsystem integrieren müssen, spiegelt sich dieser Zuwachs noch nicht unmittelbar in den Abiturientenzahlen wider.
Fazit für Thüringen: Für die Thüringer Hochschulen und Universitäten sind dies gute Nachrichten. Ein stabiler und sogar wachsender Pool an heimischen Studienberechtigten sichert die Attraktivität des Freistaats als Wissenschaftsstandort.


