Krise im Klassenzimmer? Die nackten Zahlen zum Unterrichtsausfall im Saale-Holzland-Kreis
Wenn Stunden ersatzlos streichen zur Routine wird und Vertretungslehrkräfte fachfremd einspringen müssen, schlägt das Alarmbarometer an den Berufsschulen aus. Eine aktuelle Antwort des Thüringer Bildungsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage (Drucksache 8/3887) legt offen, wie es um die Unterrichtserfüllung an den staatlichen Berufsschulen im Saale-Holzland-Kreis wirklich steht. Die Daten zeigen: Trotz leichter Entlastung bleibt die Lage in den Fachklassen angespannt.
Die Kernfakten auf einen Blick
- 152 Stunden Defizit: So hoch summierte sich die Abweichung vom regulären Lehrplan allein in der Frühjahrserhebung für das Schuljahr 2025/2026.
- Licht und Schatten beim ersatzlosen Ausfall: Während im Schuljahr 2024/2025 noch historische 111 Stunden ersatzlos gestrichen werden mussten, sank dieser Wert zuletzt auf 50 Stunden.
- Kürzungen als Notbremse: 45 Stunden konnten im aktuellen Schuljahr von vornherein gar nicht erst in den Stundenplan aufgenommen werden.
Der Fünfjahres-Trend: Wie stabil ist der Stundenplan?
Ein Blick auf die Erhebungsdaten der vergangenen Jahre verdeutlicht, dass die Schulen im Landkreis kontinuierlich gegen Unterrichtsausfälle ankämpfen müssen:
| Schuljahr | Gesamtausfall / Defizit (Std.) | Ersatzloser Ausfall (Std.) | Gekürzte Stundentafel (Std.) | Fachfremde Vertretung (Std.) | Fachgerechte Vertretung (Std.) |
| 2025/2026 (Frühjahr) | 152,00 | 50,00 | 45,00 | 28,00 | 29,00 |
| 2024/2025 | 185,00 | 111,00 | 107,00 | 24,00 | 5,00 |
| 2023/2024 | 155,00 | 68,00 | 68,00 | 4,00 | 83,00 |
| 2022/2023 | 121,00 | 52,00 | 50,00 | 13,00 | 56,00 |
| 2021/2022 | 113,00 | 67,00 | 49,00 | 0,00 | 46,00 |
Wo brennt es am stärksten?
Die detaillierte Aufschlüsselung nach Fachbereichen offenbart deutliche Schwerpunkte:
- Brennpunkt Fachtheorie: Mit 77,0 Stunden Ausfall und Abweichung ist das theoretische Fachwissen am stärksten betroffen. Allein 49,0 Stunden mussten hier durch fachfremdes Personal aufgefangen werden.
- Fachpraxis & Allgemeinbildung: In der Praxis summierte sich der Anpassungsbedarf auf 36,0 Stunden (davon 22 Stunden gekürzt), während allgemeinbildende Fächer wie Deutsch mit 30,0 Stunden Abweichung zu Buche schlagen.
- Betroffene Branchen: Besonders hart trifft es die angehenden Fachkräfte in den Druck- und Medientechniken (16 von 20 Betreuungsstunden liefen fachfremd) sowie in verschiedenen Einzelberufen, wo 31 Fachtheorie-Stunden ohne Speziallehrkraft vertreten werden mussten.
Das sagt das Bildungsministerium
Das Ministerium weist darauf hin, dass viele Detailfragen – etwa Ausfälle auf Ebene einzelner Klassen oder der genaue Einsatz von Praxislehrern in der Theorie – aus den Erhebungsdaten statistisch gar nicht erfasst werden können.
Fazit: Der Trend beim ersatzlosen Ausfall zeigt zwar nach unten, doch die Unterrichtsqualität wird zunehmend durch Notlösungen wie gekürzte Lehrpläne und fachfremde Vertretungen gesichert. Eine Herausforderung, die Schüler wie Betriebe gleichermaßen fordert.


