Erfurt: Erste Mieterstromanlage in der Stadt versorgt derzeit 30 Wohnungen

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Umweltministerin Anja Siegesmund weihte gestern die erste Mieterstromanlage der Landeshauptstadt ein. BewohnerInnen der Auenhöfe, die Stadtwerke Erfurt als Betreiber und Projektpartner nehmen die Anlage gemeinsam in Betrieb. Klimafreundlicher Sonnenstrom vom Dach treibt zukünftig in 30 Wohnungen und 8 Gemeinschaftsräumen  Kühlschrank, Waschmaschine & Co. an.

„Mieterstrom macht Menschen in den Städten zu Energiegewinnern. So können auch Mieterinnen und Mieter vom selbst erzeugten, günstigen Sonnenstrom profitieren. Gleichzeitig schützen sie das Klima und entlasten die Stromnetze“, sagte die Ministerin heute in Erfurt.

Das Thüringer Umweltministerium hatte die Planung des Musterprojekts über das Förderprogramm „Solar Invest“ mit 8.000 Euro gefördert. Die neue PV-Anlage auf dem Dach der Wohnanlage „Auenhöfe“ produziert auf einer Fläche von ca. 100m² rund 16.000 kWh sauberen Strom jährlich. Der Atmosphäre bleiben so rund 9.500 Kilogramm CO2 erspart. Rein rechnerisch bräuchte es einen kleinen Wald von 760 Buchen, um diese CO2-Menge in einem Jahr zu kompensieren.

Thüringer Bundesratsinitiative für mehr Mieterstrom

Bisher gelang Mieterstromanlagen in Deutschland nicht der Durchbruch. Lediglich 140 Anlagen sind im ersten Jahr des Mieterstromgesetzes entstanden. Woran liegt das? Das Gesetz der Bundesregierung aus dem Sommer 2017 enthält zahlreiche Einschränkungen, etwas eine jährliche Obergrenze von 500 MW, eine Beschränkung der Größe und eine Beschränkung auf Gebäude mit überwiegendem Wohncharakter. Zudem werden Varianten über mehrere Häuser hinweg, sog. Quartierskonzepte, ausgeschlossen.

Um diese Bremsen zu lösen, haben Thüringen und Berlin am Freitag eine Bundesratsinitiative auf den Weg gebracht. Darin wird die Bundesregierung zur Reform des Mieterstromgesetzes aufgefordert.

„Wenn wir in Deutschland und in Thüringen unsere Klimaziele erreichen wollen,  muss der Ausbau von Photovoltaik bis 2040 weiter gefördert und gesteigert werden. Wir können diesen Ausbau anschieben, ohne große Flächen in Beschlag zu nehmen. Gerade in Städten können Dächer und Fassaden genutzt werden. Thüringen hat beim Mieterstrom große Potentiale“ so Ministerin Siegesmund.

Allein in Thüringen stehen mehr als 85.000 Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 594.000 Wohnungen (Stand 2017). Das allein zeigt das enorme Potential für Mieterstromanlagen.

Hintergrund

Mieterstrom ist ein dezentraler Ansatz, mit dem Mieterinnen und Mieter direkt vom Ausbau der Erneuerbaren Energien profitieren können. Der Strom, der durch Solaranlagen auf demselben oder einem räumlich nahen Gebäude erzeugt wird, soll direkt und kostengünstig genutzt werden. Anders als beim Strombezug aus dem Netz entfallen beim Mieterstrom Kosten wie Netzentgelte, Konzessionsabgaben oder die Stromsteuer. Durch den sogenannten Mieterstromzuschlag profitieren auch Vermieterinnen und Vermieter vom Angebot des Mieterstroms.

Quelle

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