Jena rechnet mit einer Halbierung der Kita-Kinder Zahlen

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Jena steht vor einem massiven demografischen Umbruch in der Kleinkindbetreuung. Während die Stadt über Jahre hinweg mit Kapazitätsengpässen zu kämpfen hatte, zeichnet die aktuelle Bedarfsplanung bis zum Jahr 2035 ein völlig neues Bild: Die Zahl der Kinder im Alter von null bis sechs Jahren wird sich nahezu halbieren.

Grundlage für diese Prognosen sind die amtlichen Daten des Thüringer Landesamtes für Statistik sowie die detaillierten Analysen der Stadtverwaltung Jena. Man hat die Entwicklung in drei Szenarien berechnet – Minimal-, Maximal- und Mittelvariante –, doch der Trend ist in allen Modellen unmissverständlich rückläufig.

Der dramatische Rückgang in Zahlen

Die Analyse der Daten zeigt eine kontinuierliche Abwärtsspirale. Lag die Zahl der betreuungsrelevanten Kinder im Jahr 2015 noch bei stolzen 5.972, so sinkt dieser Wert in der mittleren Prognose bis zum Jahr 2035 auf nur noch rund 3.229.

  • Minimalvariante: Hier wird sogar ein Rückgang auf 2.954 Kinder erwartet.
  • Maximalvariante: Selbst im optimistischsten Szenario bleibt die Zahl bei lediglich 3.504 Kindern stehen.
  • Jährlicher Schwund: Im Durchschnitt verliert die Stadt pro Jahr rund 3 Prozent ihrer potenziellen Kita-Kinder.

Besonders auffällig ist die geringe Spreizung zwischen den Varianten. Dies verdeutlicht die statistische Sicherheit des Trends: Ein „Weiter so“ wird es bei den Kinderzahlen in Jena nicht geben.

Überkapazitäten: Auslastung sinkt unter 60 Prozent

Die Tragweite dieser Entwicklung wird erst beim Blick auf die vorhandene Infrastruktur deutlich. Die Stadt Jena hält aktuell eine Kapazität von etwa 6.742 Plätzen in Kindertageseinrichtungen vor. Da die Zahl der Kinder jedoch massiv sinkt, wird die Kapazitätsauslastung langfristig auf unter 60 Prozent fallen. Damit bricht die Grundlage für die bisherige quantitative Planung weg. Wo früher Plätze fehlten, droht nun ein massiver Leerstand.

Strategiewechsel: Qualität statt Quantität

Für die Stadtplanung bedeutet dieses Ergebnis ein radikales Umdenken. Der weitere Ausbau von Kita-Plätzen ist faktisch vom Tisch. Stattdessen rücken neue, qualitative Schwerpunkte in den Fokus der Verantwortlichen:

  1. Anpassung der Konzepte: Kleinere Gruppenstärken könnten den Betreuungsschlüssel verbessern und so die pädagogische Qualität steigern.
  2. Sicherung von Fachpersonal: Trotz sinkender Kinderzahlen bleibt der Erhalt qualifizierter Erzieher das Ziel, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und bessere Betreuungsstandards zu etablieren.
  3. Flexible Raumnutzung: Bestehende Räumlichkeiten müssen künftig eventuell multifunktional genutzt oder für andere soziale Zwecke umgewidmet werden.

Fazit: Jena wandelt sich von einer Stadt, die dem Geburtenboom hinterherbaute, zu einer Kommune, die den kontrollierten Rückbau und die qualitative Aufwertung ihrer Bildungslandschaft moderieren muss.

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