Apothekensterben in Thüringen: Rekord-Rückgang und wachsende Insolvenzgefahr

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Während die bundesweite Zahl der Apothekeninsolvenzen im Jahr 2025 mit 44 Fällen einen historischen Höchststand erreichte, verschärft sich die Lage im Freistaat Thüringen zusehends. Neue Daten der Wirtschaftsauskunftei CRIF und der Landesapothekerkammer zeichnen ein düsteres Bild: Thüringen gehört 2026 zu den Bundesländern mit dem stärksten Zuwachs an insolvenzgefährdeten Betrieben.

Thüringer Negativ-Rekord: 13 Schließungen in einem Jahr

Das Jahr 2025 markierte für die Thüringer Apothekenlandschaft eine Zäsur. Insgesamt 13 Apotheken mussten im Freistaat ihre Türen für immer schließen – so viele wie noch nie zuvor innerhalb eines Jahres. Damit sank die Gesamtzahl der Betriebsstätten zum 1. Januar 2026 auf nur noch 474 Apotheken. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 waren es noch rund 110 Standorte mehr.

Dieser „traurige Rekord“, wie ihn der Thüringer Apothekerverband (ThAV) nennt, ist Teil eines seit 15 Jahren anhaltenden Abwärtstrends, der sich nun jedoch massiv beschleunigt.

Wachsender Druck: Insolvenzgefahr steigt um 22 Prozent

Die wirtschaftliche Schere klafft in Thüringen besonders weit auseinander. Während bundesweit die Zahl der gefährdeten Apotheken (Bonitätsindex 4,5 bis 6,0) um 12,6 % steigt, liegt der Zuwachs in Thüringen bei dramatischen 22,2 %. Damit rangiert der Freistaat in der Spitzengruppe der am stärksten belasteten Bundesländer, nur noch übertroffen von Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

Die Gründe für diesen wirtschaftlichen Stress sind vielfältig:

  • Stagnierende Honorare: Das Festhonorar wurde seit 2013 nicht mehr angepasst, während die Betriebskosten seither um schätzungsweise 65 % gestiegen sind.
  • Kostenexplosion: Steigende Energiepreise, höhere Mieten und die Inflation bei Personalkosten belasten die Bilanzen.
  • Bürokratie & Fachkräftemangel: Ein enormer Dokumentationsaufwand und der schwierige Kampf um pharmazeutisches Personal binden wertvolle Ressourcen.

Die paradoxe Stabilität der Branche

Trotz der alarmierenden Zahlen bleibt die Apothekenbranche im Vergleich zur Gesamtwirtschaft strukturell resilienter. Während in Deutschland etwa 10,3 % aller Unternehmen als insolvenzgefährdet gelten, sind es bei den Apotheken lediglich 1,7 %.

Dr. Frank Schlein, Geschäftsführer von CRIF Deutschland, warnt jedoch davor, diese Zahl als Entwarnung zu verstehen:

„Die zunehmende Schere zwischen wachsenden Ausgaben und stagnierenden Einnahmen führt zu einem erheblichen wirtschaftlichen Druck. Auch wenn Apotheken im Vergleich stabiler dastehen, setzen die Kosten und die fehlende Honoraranpassung der Branche zunehmend sichtbar zu.“

Gegenmaßnahmen: Förderung im ländlichen Raum

Um die flächendeckende Versorgung, insbesondere in den ländlichen Regionen Thüringens, zu sichern, ist zum 1. Januar 2026 eine neue Förderrichtlinie in Kraft getreten. Apotheker, die in Gemeinden mit weniger als 25.000 Einwohnern eine Apotheke neu gründen oder übernehmen, können bis zu 50.000 Euro Investitionszuschuss erhalten. Voraussetzung ist unter anderem, dass im Umkreis von 20 Fahrminuten keine weitere Apotheke existiert.

Fazit: Versorgung unter Druck

Das Apothekensterben ist in Thüringen längst keine abstrakte Statistik mehr, sondern Realität in den Landkreisen. Mit jedem geschlossenen Betrieb verlängern sich die Wege für Patienten, und die Notdienstbelastung für die verbleibenden Apotheker steigt weiter an. Ohne eine grundlegende Reform der Honorarstruktur bleibt die flächendeckende Versorgung im Freistaat ein Wackelkonstrukt.

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