Die Unterlagen der National Archives in den USA stehen aktuell besonders im Fokus der Aufmerksamkeit, weil man dort die gesamte Mitgliederkartei der NSDAP veröffentlicht hat und viele Nachfahren dort nach Familienangehörigen suchen. Man findet dort mittlerweile aber auch andere Hinweise, die zeitgeschichtlich sehr interessant sind. Unter anderem wurden auch die Fragebögen von Inhaftierten im Konzentrationslager Buchenwald veröffentlicht.
Aus Zeulenroda und Triebes wurden ebenfalls eine ganze Reihe von Personen nach Buchenwald geschafft, und bei einigen von ihnen finden sich Anmerkungen wie „action after attempt on Hitler“ (Maßnahmen nach dem Hitler-Attentat). Zeitlich ist damit das Stauffenberg-Attentat vom 20. Juli 1944 gemeint. Claus Schenk Graf von Stauffenberg zündete an diesem Tag um 12:42 Uhr im Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ bei Rastenburg (Ostpreußen) eine Sprengladung in einer Aktentasche. Hitler überlebte den Anschlag jedoch leicht verletzt, woraufhin auch der geplante militärische Umsturzversuch (Unternehmen „Walküre“) in Berlin scheiterte.
Es gab niemanden aus Zeulenroda und Triebes, der an diesem Attentat beteiligt war. Dass dennoch mehrere Personen im Nachgang verhaftet wurden, liegt an der sogenannten Aktion Gitter. Damit war eine massenhafte Verhaftungswelle des Nationalsozialismus im August 1944 gemeint. Sie richtete sich gezielt gegen ehemalige Mandatsträger, Politiker und Funktionäre der Parteien und Gewerkschaften aus der Zeit der Weimarer Republik. Obwohl die meisten Opfer der „Aktion Gitter“1 gar nicht in die konkreten Planungen des Attentats verwickelt waren, befahl Reichsführer SS Heinrich Himmler eine vorbeugende Säuberungs- und Terroraktion. Das Ziel war es, potenziellen politischen Widerstand und mögliche Führungspersönlichkeiten für einen Umsturz im Keim zu ersticken. Dazu griff die Gestapo auf bereits vor Jahren angelegte Fahndungs- und Karteilisten zurück.
Auch in Zeulenroda und Triebes gab es einige konkrete Opfer dieser Aktion:
- Friedrich Fried (geb. 15.08.1893), wohnhaft in Zeulenroda, Windmühlenstr. 37, verhaftet am 22.08.1944 durch die Gestapo im Zuge der Gitter Aktion nach dem Attentat auf Hitler (verbracht nach Buchenwald)2
- Wilhelm Burkhardt (geb. am 29.03.1883), wohnhaft in Zeulenroda, Bahnhofsstr. 38, verhaftet am 22.08.1944 durch die Gestapo und nach Buchenwald verbracht
- Walter Drechsler (geb. 02.09.1891 in Triebes), arbeitete als Polier und wurde am 22.08.1944 in Buchenwald inhaftiert. In seiner Akte findet sich kein Hinweis auf die Aktion Gitter, aber das Datum der Verhaftung macht deutlich, dass es wohl auch im Zuge dieser Aktion mit inhaftiert wurde.3
Alle drei Genannten hatten bereits vorher Haftstrafen verbüßt und waren der Polizei damit bekannt. Das passt zu der Vorgehensweise, dass Listen von bekannten Widerstandskämpfern genutzt wurden, um während dieser Racheaktion genügend Verhaftungen vorweisen zu können. Wilhelm Burkhardt war zu dem Zeitpunkt seiner Verhaftung bereits 61 Jahre alt. Auch das passt dazu, dass teilweise altes Listenmaterial genutzt wurde.
Eventuell wurden auch noch weitere Personen verhaftet, wurden aber bei diesen Fragebögen nicht mit erfasst, weil sie die Befreiung des Konzentrationslagers nicht mehr erlebt haben. Wenn die US-Archive noch weiteres Material zu den Todesfällen in Buchenwald veröffentlichen, könnte es daher auch noch weitere Opfer geben, die im Zuge dieser Säuberungsaktion mitverhaftet wurden. Daneben gab es – wie eingangs erwähnt – auch bereits vorher Verhaftung von Widerstandsmäpfer, die nach Buchenwald gebracht wurden.
HINWEIS Dieser Text ist Teil einer Serie zu den Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges in (Ost-)Thüringen. Weitere Artikel dazu gibt es unter anderem hier: Der Todesbefehl 1945 für Thüringen | Blick zurück: die letzten Kriegstage im April 1945 in Zeulenroda und Triebes | Blick zurück: Die Befreiung von Zeulenroda und Triebes
- https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_Gitter ↩︎
- https://catalog.archives.gov/search-within/596972?q=Zeulenroda ↩︎
- https://catalog.archives.gov/search-within/596972?q=Triebes ↩︎




