Blick zurück: die letzten Kriegstage im April 1945 in Zeulenroda und Triebes

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HINWEIS Dieser Text ist Teil einer Serie zu den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges in Thüringen. Weitere Artikel dazu gibt es unter anderem hier: Der Todesbefehl 1945 für Thüringen

Im April 1945 war der Zweite Weltkrieg bereits weitgehend entschiede. Auch in Thüringen war dies spürbar. Die US-Armee rückte im April 1945 von Westen in Thüringen vor und eroberte nach und nach immer mehr Gebiete in Richtung Osten. Die Vorstöße erfolgten dabei durch die verschiedenen Divisionen der US-Truppen, die von Süd nach Nord gestaffelt waren. Für den Bereich Zeulenroda und Triebes war dabei die 89th Infantry Division (bekannt als die „Rolling W“ oder „Middle West“ Division) ein entscheidender Akteur bei der Eroberung Thüringens in diesem im April 1945. Die Division war Teil des VIII. Corps der 3. US-Armee bestand aus eigenständigen Infanterie-Einheiten.

Bereits am 15. April 1945 erreichte die 346th Infanterie Kleinwolschendorf. Von Tegau aus stießen amerikanische Panzereinheiten über Pahren, Förthen und Zadelsdorf vor. Gegen Mittag erreichten sie Läwitz und rückten bis zum Abend nach Kleinwolschendorf vor. Zur Deckung der zurückweichenden deutschen Verbände nahm die deutsche Artillerie aus Stellungen in der Heide und den Buchleithen die Angreifer unter schwaches Feuer. Dieser Widerstand blieb jedoch ohne nennenswerte militärische Auswirkung auf die gut ausgerüsteten US-Panzerverbände; zwischen Läwitz und Förthen wurden keine Fahrzeuge zerstört.

In der Nacht auf Montag zogen sich die deutschen Nachhuten über die Mühlen im Weidagrund bis zur Büchersmühle zurück. Währenddessen festigten die US-Truppen ihre Position in Kleinwolschendorf, wo etwa 500 Soldaten in kurzfristig geräumten Bauernhäusern Quartier bezogen. Zur Unterstützung der Operationen wurde auf einem Stoppelacker am Sandweg ein Feldflugplatz eingerichtet. Die Nacht war geprägt von Artillerieduellen: Während die amerikanische Seite die Städte Zeulenroda und Triebes sowie den deutschen Gefechtsstand in der Starkenmühle beschoss, flogen auch deutsche Granaten in Richtung Langenwolschendorf. Die Einschläge in Feld und Flur verursachten in diesem Bereich jedoch keine nennenswerten Schäden.

Der abschließende Vorstoß begann am Montagmorgen, dem 16. April. Unterstützt von Panzern rückte die amerikanische Infanterie in breiter Formation von Kleinwolschendorf über die Felder und durch die Wälder bei Igelsdorf auf Langenwolschendorf vor. Gegen Mittag erreichten die Truppen den Ort, der schließlich durch Bürgermeister Max Hitzig kampflos übergeben wurde. Etwa zwei Stunden später wurde auch Zeulenroda kampflos übergeben.

Für Zeulenroda meldete die 346th Infanterie zu diesem Tag:

The Division objective was finally gained after six days rapid advance. The Regiment cleared a sector of 121 kilometers in length, capturing about seventy-five towns and villages including StadtiIm, Rudolstadt, Possneck, Zeulenroda, Lengenfeld and Treuen, and taking about 2,500 prisoners.

Deutsche Übersetzung:

Das Divisionsziel wurde nach sechs Tagen raschen Vormarsches erreicht. Das Regiment sicherte einen 121 Kilometer langen Abschnitt und nahm dabei etwa 75 Städte und Dörfer ein, darunter StadtiIm, Rudolstadt, Possneck, Zeulenroda, Lengenfeld und Treuen. Rund 2.500 Gefangene wurden gemacht.

Für die US-Truppen war dies normales Tagesgeschäft und in der Regel wurden pro Tag mehrere Orte pro Infanterieeinheit eingenommen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass zu den einzelnen Orten wenig Angaben gemacht wurden.

Für die Einwohner war die Kapitulation dagegen ein Problem. Anfang April 1945 hatte der NSDPA Ministerpräsident Saukel einen unmissverständlichen Durchhaltebefehl veröffentlicht und jedem drohte der Tod, der kampflos kapitulierte. Im Original hieß es damals:

„Wer vor dem Feind die weiße Fahne hisst, wird als Landesverräter und Deserteur behandelt!“

Fanatische NSDAP Anhänger und auch die Wehrmacht setzen dies teilweise gnadenlos um. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Stadt Gotha, deren Erhalt maßgeblich auf Josef Ritter von Gadolla zurückzuführen ist. Als standortältester Offizier entschloss er sich am Abend des 3. April, den heranrückenden US-Truppen mit einer weißen Fahne auf seinem Fahrzeug entgegenzufahren, um eine kampflose Übergabe einzuleiten. Sein Vorhaben wurde jedoch von Wehrmachtsverbänden vereitelt, die ihn abfingen und nach Weimar verschleppten. Dort wurde Gadolla am Ettersberg wegen „Verrats“ standrechtlich erschossen. Trotz seiner Hinrichtung ließen sich der Bürgermeister und der Stadtrat von Gotha nicht einschüchtern; sie folgten seinem Beispiel und unterzeichneten am Folgetag die Kapitulationserklärung, wodurch die Stadt gerettet wurde.

Ein ähnlich tragisches Schicksal ereilte den Raum Gera nur wenige Tage später. Als die amerikanischen Truppen am 13. April Jena besetzten und in Gera Feindalarm ausgelöst wurde, versuchte der Bürgermeister von Röppisch, Alfred Böttcher, sein Dorf vor dem drohenden Artilleriebeschuss zu schützen. Er ließ eine weiße Fahne hissen, um den Amerikanern Kapitulationsbereitschaft zu signalisieren. Obwohl Böttcher selbst Mitglied der NSDAP war, kannte das Regime in dieser Endphase keine Nachsicht gegenüber dem, was es als „Defätismus“ brandmarkte. Er wurde von der SS aus seinem Haus geholt und unmittelbar hingerichtet. Auch der Pfarrer Baudler aus Triebes, der die Kapitulation der Stadt erklärte, wurde mit dem Tode bedroht (mehr dazu später).

Die Telefongeschichte von Thüringen

Ein Blick auf die Entwicklung der Telefon-Technik und Netze speziell im Freistaat. Wo gab es die ersten öffentlichen Ämter, wo waren erste Fernsprecher und Telefonverbindungen zu finden? Kleiner Spoiler: Erfurt,Weimar oder Jena waren nicht die ersten Städte mit Telefonie. Dazu gibt es einen Blick auf die generell Entwicklung der Telefontechnik in Deutschland.

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