Arnstadt: neuer Güterbahnhof soll Logistikzentrum für das „Erfurter Kreuz“ werden

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Für das größte Industriegebiet Thüringens am Erfurter Kreuz baut die Deutsche Bahn einen neuen Güterbahnhof. Im Zusammenhang mit der Errichtung des Terminals auf dem Gelände des alten Arnstädter Güterbahnhofs vereinbarten heute der Freistaat Thüringen, die Deutsche Bahn, die Stadt Arnstadt und die LEG Thüringen ein Paket mit fünf Maßnahmen, mit denen unter anderem die Straßenanbindung des Terminals und das Umfeld des Arnstädter Hauptbahnhofs verbessert und Belastungen für die Anwohnerinnen und Anwohner verringert werden sollen.

Thüringens Infrastrukturministerin Susanna Karawanskij sagte im Vorfeld: „Beim Ausbau des ‚Erfurter Kreuz‘ als Wirtschaftsstandort haben wir klimafreundliche Verkehrskonzepte im Blick und wollen, dass mit dem modernen Güterterminal der Bahn am Arnstädter Bahnhof möglichst viel Güterverkehr auf der Schiene anstatt auf der Straße abgewickelt wird. Ein sozialverträglicher Entwicklungsprozess hat neben dem Wirtschaftspotenzial auch die Lebensqualität der Menschen im Blick. Das neue Terminal soll neben der Stärkung des Güterschienenverkehrs die Verkehrs-, Abgas- und Lärmbelästigung für die Anwohnerinnen und Anwohner begrenzen. Der geplante Radweg erfüllt den gleichen Zweck. Mit einer gut ausgebauten Radinfrastruktur steigt die Chance, dass mehr Menschen mit dem Rad auf Arbeit fahren und das Auto stehen lassen. Wir wollen den Ausbau des Industriestandorts Erfurter Kreuz mit dem Ausbau einer klimafreundlichen Infrastruktur verknüpfen.“

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee erklärt: „Mit dem modernen Güterterminal der Bahn haben wir die Chance, mehr Güter vom ‚Erfurter Kreuz‘ von der Straße auf die Schiene zu bringen. Das entlastet die Straßen, die Umwelt und macht den Standort insgesamt wettbewerbsfähiger. Um das Güterterminal in ein ganzheitliches Verkehrskonzept von der ersten bis zur letzten Meile einzubinden, aber auch um mögliche Mehrbelastungen der Anwohnerinnen und Anwohner abzufangen, bedarf es weiterer Infrastrukturmaßnahmen, insbesondere des Ausbaus der Straße auf der ‚letzten Meile‘ zwischen Terminal und Industriegebiet. Deshalb unterstützt der Freistaat Thüringen ein ganzes Paket von Maßnahmen, von denen Arnstadt als Wirtschafts-, Wohn- und Lebensort profitiert.“

Die fünf Maßnahmen der Rahmenvereinbarung umfassen:

  1. Straßenausbau bzw. -ertüchtigung der bestehenden Straßenbeziehungen zum Güterterminal (Rehestädter Weg) und Anbindung Ichtershäuser Straße, Knotenpunkt L 1044N / L 3004; Grundlage für die weitere Planung ist das Verkehrsgutachten vom 11.09.2020 vom Büro „Verkehr 2020“.
  2. Bau eines Radwegs „Schwarzer Weg“ entlang der Bahngleise vom Bahnhof Arnstadt bis zum Industriegebiet als Raddirektverbindung „Gamstädt – Neudietendorf – Arnstadt“ in der Breite von 3,0 m sowie Anlegen von Straßenbegleitgrün entlang des Radweges in Form einer Allee in voller Länge (410 m) als Ausgleichsmaßnahme bei Beseitigung der Allee Rehestädter Weg.
  3. Weiterentwicklung des Arnstädter Bahnhofs für den Personen- und Publikumsverkehr, unterteilt in das Bahnhofsgebäude des Personenbahnhofs und den Bahnhofsvorplatz mit dem direkt umschlossenen Bahnhofsumfeld als städtebauliche Entwicklungsfläche und Mobilitätsknoten auf Grundlage des Abschlussberichts zur Machbarkeitsstudie „Innovativer Mobilitätsknoten Arnstadt“ vom 30.06.2021.
  4. Teilprojekt zur Renaturierung der Rudislebener Kiesteiche und Entwicklung als Naturseebereich für Zwecke der Naherholung, des Tourismus‘ und des Freizeitsports.
  5. Sanierung und Restaurierung der Arnstädter „Fischtorbrücke“ als zentraler Ort der Begegnung im innerstädtischen Bereich und zum Erhalt der kulturhistorischen Bedeutung für die Stadt Arnstadt.

Pierre Timmermans, Vorstand Vertrieb der DB Cargo AG: „Güter gehören auf die Schiene. Deshalb investieren wir hier in Arnstadt und bauen eines unserer modernsten Logistik-Zentren für das Erfurter Kreuz. Nur mit der Bahn können schon heute Güter zu hundert Prozent CO2-frei fahren. Unsere 3.600 Güterzüge täglich ersetzen 90.000 Lkw-Fahrten jeden Tag. In Thüringen sind vor allem unsere Kunden in der Automobil- und Auto-Zulieferindustrie seit langem auf der Schiene. Wir freuen uns über die starke Unterstützung des Freistaates Thüringen für unser Projekt und sorgen als DB insgesamt mit unseren Investitionen in den Arnstädter Hauptbahnhof dafür, dass die Bahn für die Arnstädter:innen künftig noch attraktiver wird.“

Frank Spilling, Bürgermeister der Stadt Arnstadt: „Freistaat Thüringen und Deutsche Bahn haben eine Reihe von Ausgleichsmaßnahmen zugesagt, die Arnstadt attraktiver und das Terminal stadtverträglich machen. Wir werden beide Partner beim Wort nehmen, dass die zugesagten Maßnahmen auch umgesetzt werden. Gleichzeitig bedarf es auch einer hohen Dialogbereitschaft der Bahn, damit die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger aufgenommen werden. Die Bahn hat das zugesagt, wir werden diesen Prozess konstruktiv begleiten.“

Hintergrund zum neuen Güter-Terminal und zur heute unterzeichneten Rahmenvereinbarung

Die Wirtschaft im Raum Erfurt – Arnstadt – Ilmenau entwickelt sich dynamisch. Das „Erfurter Kreuz“ wächst. Mit mehr als 120 Unternehmen und über 16.000 Beschäftigten ist das Erfurter Kreuz das größte Industriegebiet in Thüringen. Mit dem chinesischen Hersteller von Batterien für E-Autos, CATL, hat sich hier einer der drei weltgrößten Batteriehersteller für die E-Mobilität auf der Straße angesiedelt.

Deshalb haben der Freistaat Thüringen, die Stadt Arnstadt, der Ilm-Kreis, die LEG Thüringen und die Deutsche Bahn Varianten für eine optimale Anbindung des Erfurter Kreuzes an die Schiene diskutiert und bewertet. Das Ergebnis: Neben dem bereits vorhandenen Anschlussgleis in das Industriegebiet braucht es einen leistungsfähigen Güterbahnhof. Der wird mit der Wiederbelebung des alten Arnstädter Güterbahnhofs geschaffen.

Die DB unterstützt in diesem Zusammenhang auch die von der Stadt geplante Entwicklung des Arnstädter Hauptbahnhofs zu einem modernen Mobilitätsknoten und stellt hierfür Know-how und Flächen zur Verfügung. Neues Leben zieht in das Empfangsgebäude ein – so auch die Projektleitung des neuen Güterbahnhofsterminals. Der Personentunnel zu den Gleisen im Arnstädter Hauptbahnhof wird modernisiert.

Mit dem neuen Güterbahnhof können rund 2,3 Millionen Lkw-Kilometer eingespart werden. Das entspricht 2.822 Tonnen CO2-Einsparung.

Zeitplan für den Güterbahnhof

Das Baugenehmigungsverfahren für das Cargo-Terminal auf dem Gelände des Arnstädter Güterbahnhofs startet Ende des Jahres. Die Planungen für den neuen Güterbahnhof stellt DB Cargo Logistics, der Vorhabenträger, am 30. Oktober im Rahmen eines Infomarktes den Bürgerinnen und Bürgern Arnstadts am alten Güterbahnhof vor.

Quelle

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