Digitalisierung: Deutschland in der EU nur auf Platz 11

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Die Europäische Kommission hat heute (Freitag) die Ergebnisse des Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft 2021 (DESI) veröffentlicht. Dieser misst jedes Jahr die Fortschritte der EU-Mitgliedstaaten bei der digitalen Wettbewerbsfähigkeit in den Bereichen Humankapital, Breitbandanbindung, Integration digitaler Technik in Unternehmen und digitale öffentliche Dienste. Deutschland landet im Ranking aller EU-Staaten auf Platz 11. 

Die Vizepräsidentin der EU-Kommission Margrethe Vestager erklärte: „Die Botschaft des diesjährigen DESI ist positiv: Alle EU-Länder haben Fortschritte bei der Digitalisierung und Wettbewerbsfähigkeit gemacht, aber es gibt keinen Grund, sich zurückzulehnen. Wir arbeiten mit den Mitgliedstaaten zusammen, damit über die Aufbau- und Resilienzfazilität wichtige Investitionen getätigt werden, um allen Bürgerinnen und Bürgern und allen Unternehmen die besten digitalen Möglichkeiten zu bieten.“

„Wir haben uns für 2030 wichtige Ziele gesetzt, aber jetzt müssen wir sie auch erreichen“, fügte der für den Binnenmarkt zuständige Kommissar Thierry Breton hinzu. „Der heutige DESI zeigt Fortschritte, aber auch, wo wir gemeinsam besser werden müssen, um sicherzustellen, dass die europäischen Bürgerinnen und Bürger und die Unternehmen, insbesondere die KMU, Zugang zu Spitzentechnologien haben, die ihr Leben besser, sicherer und umweltfreundlicher machen werden.“

Die DESI-Berichte 2021 enthalten vor allem Daten aus dem Jahr 2020 und geben so einen Einblick in die wichtigsten Entwicklungen in der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft im ersten Jahr der COVID-19-Pandemie. Die Auswirkungen von COVID-19 auf die Nutzung und das Angebot digitaler Dienstleistungen und die Ergebnisse der seitdem umgesetzten Maßnahmen sind in den Daten jedoch nicht erfasst und werden in der Ausgabe in Jahr 2022 besser sichtbar sein. Der DESI 2021 wurde angepasst, um wichtigen politischen Initiativen wie dem Digitalen Kompass 2030: der europäische Weg in die digitale Dekade Rechnung zu tragen. Der digitale Kompass enthält die Ziele Europas im digitalen Bereich sowie eine Zielvorstellung für den digitalen Wandel und konkrete Zielsetzungen für 2030 zu den folgenden vier Kernpunkten: Kompetenzen, Infrastrukturen, digitaler Umbau der Unternehmen und öffentliche Dienste.

Ergebnisse für Deutschland

Im Bereich Breitbandkonnektivität erzielt Deutschland relativ gute Ergebnisse, obgleich der Netzausbau von Engpässen bei Planungs- und Baukapazitäten beeinträchtigt wird und nach wie vor eine digitale Kluft zwischen ländlichen und städtischen Gebieten besteht. Bei der 5G-Bereitschaft ist das Land einer der Spitzenreiter, bei der allgemeinen Festnetzbreitbandnutzung steht es EU-weit an zweiter Stelle. Obwohl sich die Abdeckung mit Festnetzen mit sehr hoher Kapazität verbessert hat (von 33 Prozent auf 55,9 Prozent), liegt sie weiter unter dem EU-Durchschnitt (59,3 Prozent).

Im Bereich Humankapital schneidet Deutschland bei fast allen Indikatoren (abgesehen vom Anteil weiblicher IKT-Fachkräfte) im EU-Vergleich überdurchschnittlich gut ab. Mindestens grundlegende digitale Kompetenzen und mindestens grundlegende Softwarekompetenzen sind im Land weitverbreitet, doch der Mangel an IKT-Fachkräften besteht weiter.

Dieser Mangel beeinflusst auch die Integration der Digitaltechnik durch Unternehmen. Weniger als ein Drittel der Unternehmen (29 Prozent) tauscht Informationen auf elektronischem Wege aus, und nur 18 Prozent der KMU stellen elektronische Rechnungen aus. Bei beiden Indikatoren hat Deutschland in den letzten Jahren kaum Verbesserungen erzielt.

Bei den digitalen öffentlichen Diensten sind insgesamt Verbesserungen zu verzeichnen. Allerdings sind weitere Anstrengungen erforderlich, beispielsweise um die Interoperabilität der bereitgestellten Dienste sicherzustellen.

Hauptergebnisse des DESI 2021 in den vier Bereichen für alle Mitgliedstaaten

Was die digitalen Kompetenzen angeht, verfügen 56 Prozent der Menschen über mindestens grundlegende digitale Kompetenzen. Die Daten zeigen einen leichten Anstieg bei der Zahl der angestellten IKT-Fachkräfte: Im Jahr 2020 hatte die EU 8,4 Millionen IKT-Fachkräfte, gegenüber 7,8 Millionen im Vorjahr. Der langsamere digitale Umbau der Unternehmen ist in vielen Mitgliedstaaten auch auf einen Mangel an Beschäftigten mit fortgeschrittenen digitalen Kompetenzen zurückzuführen. So klagten 55 Prozent der Unternehmen im Jahr 2020 über Schwierigkeiten bei der Einstellung von IKT-Spezialisten. Aus den Daten geht klar hervor, dass die Ausbildung verbessert werden muss, damit die Ziele der digitalen Dekade in Bezug auf digitale Kompetenzen erreicht werden, dass nämlich 80 Prozent der Bevölkerung über grundlegende digitale Kompetenzen verfügen und dass in Europa 20 Millionen IKT-Fachkräfte tätig sind. Da nach den bislang vom Rat angenommenen Aufbau- und Resilienzplänen 17 Prozent der Investitionen im digitalen Bereich für digitale Kompetenzen bestimmt sind (etwa 20 Mrd. Euro von insgesamt 117 Mrd. Euro), werden hier in den kommenden Jahren erhebliche Verbesserungen erwartet.

Außerdem veröffentlicht die Kommission den Fortschrittsanzeiger für Frauen im Digitalen (Women in Digital Scoreboard), der belegt, dass bei den digitalen Fachkompetenzen nach wie vor ein erhebliches geschlechtsspezifisches Gefälle besteht. Nur 19 Prozent der IKT-Fachkräfte und nur etwa ein Drittel der Absolventen der Fächer Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurwesen und Mathematik sind weiblich.

Die Daten zur Konnektivität zeigen eine Verbesserung bei den „Netzen mit sehr hoher Kapazität“ (VHCN). Diese schnellen Netze sind jetzt für 59 Prozent der Haushalte in der EU verfügbar, gegenüber 50 Prozent im Jahr davor, was aber noch weit von einer flächendeckenden Versorgung (dem Ziel der digitalen Dekade für 2030) entfernt ist. Die VHCN-Abdeckung ländlicher Gebiete stieg von 22 Prozent im Jahr 2019 auf 28 Prozent im Jahr 2020. 25 Mitgliedstaaten haben 5G-Frequenzen zugeteilt, gegenüber 16 Mitgliedstaaten vor einem Jahr. In 13 Mitgliedstaaten wurden 5G-Netze kommerziell eingeführt, hauptsächlich in städtischen Ballungsgebieten. Darüber hinaus veröffentlicht die Kommission heute Untersuchungen über Mobilfunk- und Festnetz-Breitbandpreise in Europa 2020, über die Breitbandabdeckung bis Juni 2020 und über nationale Breitbandpläne.

Im Hinblick auf die Integration digitaler Technik hat die Nutzung von Cloud-Technik stark zugenommen (von 16 Prozent der Unternehmen im Jahr 2018 auf 26 Prozent im Jahr 2020). Große Unternehmen sind weiterhin bei der Nutzung digitaler Technik führend: Sie nutzen beispielsweise den elektronischen Informationsaustausch über Unternehmensressourcenplanung (ERP) und Cloud-Software wesentlich häufiger als KMU (80 Prozent gegenüber 35 Prozent bei ERP, 48 Prozent gegenüber 25 Prozent bei Cloud). Nur ein Bruchteil der Unternehmen verwendet fortgeschrittene digitale Technologien (14 Prozent Big Data, 25 Prozent KI und 26 Prozent Cloud). Diese Daten machen deutlich, dass der gegenwärtige Stand der Einführung digitaler Technik noch weit von den Zielen der digitalen Dekade entfernt ist. Ziel der EU für 2030 ist es, dass 90 Prozent der KMU mindestens eine grundlegende digitale Intensität aufweisen, im Gegensatz zum Ausgangsniveau von 60 Prozent im Jahr 2020, und dass mindestens 75 Prozent der Unternehmen bis 2030 fortgeschrittene digitale Technik einsetzen. Derzeit nutzt nur ein Bruchteil der Unternehmen Big Data, und zwar selbst in einigen der leistungsstärksten Länder, im Gegensatz zum angestrebten Ziel von 75 Prozent.

Ergänzend zum DESI-Bericht wird heute eine weitere Studie veröffentlicht. Sie betrifft eine Umfrage zum Beitrag der IKT zu den Bemühungen der EU-Unternehmen um ökologische Nachhaltigkeit, die ergeben hat, dass 66 Prozent der befragten Unternehmen IKT-Lösungen als Mittel zur Verringerung ihres ökologischen Fußabdrucks einsetzen.

Eine große Verbesserung der elektronischen Behördendienste (e-Government) schlägt sich noch nicht in den Daten über digitale öffentliche Dienste nieder. Im ersten Jahr der Pandemie haben mehrere Mitgliedstaaten digitale Plattformen auf- oder ausgebaut, um mehr Dienstleistungen online anzubieten. 37 Prozent der Investitionen im digitalen Bereich im Rahmen der vom Rat beschlossenen Aufbau- und Resilienzpläne (etwa 43 Mrd. Euro von insgesamt 117 Mrd. EUR) sind für digitale öffentliche Dienste bestimmt, sodass hier in den kommenden Jahren erhebliche Verbesserungen erwartet werden. Die Kommission hat außerdem die Erhebung eGovernment-Benchmark 2021 vorgelegt, für die Bürgerinnen und Bürger in 36 europäischen Ländern zur Nutzung elektronischer Behördendienste befragt wurden.

Quelle

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