Thüringen: neue Fachkräftestrategie soll Fachkräftemangel entgegenwirken

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Durch die neue Vereinbarung zur Thüringer Allianz für Berufsbildung und Fachkräfteentwicklung wird die gemeinsame Fachkräftestrategie der Landesregierung mit den Wirtschafts- und Sozialpartnern sowie der Bundesagentur für Arbeit und der LIGA der Freien Wohlfahrtsverbände verankert. https://www.tmasgff.de/fileadmin/user_upload/Arbeit/Dateien/Arbeitsgruppen_und_Allianzen/Allianzvereinbarung_2021-2025_unterzeichnet_15.12.2021.pdf

Mit der Fachkräftestrategie für Thüringen soll den aktuellen Herausforderungen am Arbeitsmarkt durch die Digitalisierung und den Strukturwandel, aber auch den Problemen durch die negative demografische Entwicklung und die aktuelle Corona-Pandemie, adäquat begegnet werden. Die neue Allianzvereinbarung umfasst dabei sechs Zielstellungen, zu deren Erreichung entsprechende Handlungsansätze festgelegt wurden.

Diese werden durch die beteiligten Ministerien, die Wirtschaft, die Bundesagentur für Arbeit, die LIGA der freien Wohlfahrtsverbände und die Gewerkschaften verfolgt.

Neu sind zudem gemeinsam getragene Initiativen, die von den Partnern in unterschiedlicher Konstellation vorangetrieben und umgesetzt werden:

  1. das neu entwickelte Online-Portal ‚Deine Ausbildung in Thüringen‘ als landesweite Landing-Page für Fragen der Berufsorientierung und Ausbildungssuche

www.deine-ausbildung-in-thueringen.de/

  1. die Thüringer Vereinbarung zur Umsetzung der Bundesinitiative ‚Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss‘ https://www.bildungsketten.de/bildungsketten/shareddocs/downloads/dateien/bildungsketten_vereinbarung_ab2021_th
  2. die Entwicklung einer Thüringer Weiterbildungsagentur gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit zunächst als Pilotprojekt in der Region Südwestthüringen
  3. die Unterstützung des ‚Thüringer Kompetenzverbundes Automotive‘ zur Bewältigung der Transformationsprozesse in der Automobilindustrie durch gezielte Weiterbildung
  4. die Weiterentwicklung des Handlungsfeldes ‚Qualifizierung und Kompetenzen für die Arbeitswelt 4.0‘ in der Thüringer Strategie für eine digitale Gesellschaft

Vereinbart wurde in diesem Zusammenhang ebenfalls, jedem jungen Mensch in Thüringen, der eine Berufsausbildung anstrebt, auch ein attraktives Ausbildungsangebot zu unterbreiten sowie verstärkt für eine Berufsausbildung in Thüringen zu werben. Auch die berufliche Orientierung soll noch praxisnäher gestaltet und vorrangig in Betrieben und Einrichtungen durchgeführt werden, um wieder mehr Jugendliche für eine Berufsausbildung zu gewinnen. Damit Jugendliche und Betriebe besser zusammenfinden, sollen die bestehenden und vielfältigen Förderprogramme weiter aufeinander abgestimmt und Unterstützungsmöglichkeiten besser kommuniziert werden.

Weiterhin soll lebensbegleitendes Lernen sowie die Vermittlung bzw. der Erwerb von digitalen Kompetenzen und Qualifikationen auf allen Ebenen des Aus- und Weiterbildungssystems mit entsprechend angepassten Beratungs- und Förderstrukturen weiter vorangetrieben werden.

Um zielgerichtet zu einer verstärkten Gewinnung von Fachkräften aus Europa sowie Drittstaaten beizutragen und die Zuwanderung junger Menschen in eine berufliche Ausbildung zu flankieren, werden die bestehenden Bemühungen zur Akquise von Fachkräften aus dem Ausland weiter intensiviert.

Dazu Arbeits- und Sozialministerin Heike Werner: „Nach wie vor bildet die Fachkräftesicherung die Schlüsselaufgabe für die weitere positive Entwicklung unserer Wirtschaft und des Arbeitsmarktes hier in Thüringen. Die schwierige demografische Entwicklung, aber auch die Corona-Pandemie, die weiter zunehmende Digitalisierung und der voranschreitende Strukturwandel erfordern ein gemeinsames Handeln aller Beteiligten, um die Aus- und Weiterbildung in Thüringen weiter zu verbessern, aber auch, um externe Potenziale zur Fachkräftegewinnung noch besser zu nutzten. Ich freue mich daher, dass die Allianz, die bereits durch zahlreiche Maßnahmen und Projekte mit Leben erfüllt ist, in diesem Sinne weiterentwickelt und neu ausgerichtet werden konnte.“

Bildungsminister Helmut Holter ergänzt: „Eine frühe, praxisorientierte, individuelle Berufliche Orientierung (BO) ist für einen erfolgreichen Übergang in Ausbildung, Studium und Beruf für alle Schülerinnen und Schüler von zentraler Bedeutung. Mit der aktualisierten „Landesstrategie zur beruflichen und arbeitsweltlichen Orientierung in Thüringen“ wird der Prozesscharakter der BO deutlicher als bisher hervorgehoben. Flächendeckend angebotene Praxismaßnahmen stehen im Fokus der Landesstrategie. Neu eingesetzte Praxiskoordinatoren sollen Jugendliche und Unternehmen besser zusammenbringen und so die Jugendlichen für eine Ausbildung in Thüringen begeistern.“

„Gute Fachkräfte sind die wichtigste Voraussetzung, um die Wettbewerbsfähigkeit des Freistaats langfristig zu erhalten. Dabei spielen das Lohnniveau und eine wahrnehmbare, Willkommenskultur eine wichtige Rolle“, betont Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee. Die gemeinsame Strategie muss ständig weiterentwickelt werden, um die Aktivitäten der einzelnen Akteure zu bündeln. Nun gehe es darum, die vereinbarten Handlungsansätze schnell zu konkretisieren. Themen für das Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium seien dabei vielfältig – von der Förderung der überbetrieblichen Aus- und Weiterbildungsstätten, über die Bemühungen, Studierende in Thüringen zu halten oder für Thüringen zu gewinnen, bis hin zu guten beruflichen Perspektiven in der dualen Ausbildung sowie in den kleinen und mittelständischen Unternehmen. Diese müssen weiter bei der Anwerbung ausländischer Fachkräfte unterstützt werden. Auch das Landesmarketing richte sich deshalb seit Jahren an junge Fachkräfte, um diese auf die guten Arbeits- und Lebensbedingungen im Freistaat aufmerksam zu machen.

Markus Behrens, Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit erklärt dazu:

Der Arbeitsmarkt der Zukunft ist ein Markt der Vielfalt – Unternehmen suchen bereits heute händeringend nach gut ausgebildeten Fachkräften. Diese Suche wird perspektivisch immer schwieriger, weil auch in den kommenden Jahren mehr Beschäftigte altersbedingt aus dem Arbeitsleben ausscheiden als junge Menschen einsteigen. Weiterbildung und Zuwanderung sind für Thüringen deshalb zwei entscheidende Wachstumsfaktoren.

Anknüpfend daran Hartmut Koch, Präsident des Verbands der Wirtschaft Thüringens: „Wichtig für die Thüringer Wirtschaft sind qualifizierte Arbeitskräfte. Den zukünftigen Fachkräftebedarf werden wir nicht ohne qualifizierte Zuwanderung bzw. schnelle berufliche Integration bereits zugewanderter Personen decken können. Dies schließt die Zuwanderung aus Drittstaaten ein. Alle Allianzpartner sind gefordert, genau die benötigten Qualifizierungsbedarfe zu analysieren und gemeinsam mit Bildungspartnern sowie Arbeitgebern und Beschäftigten bedarfsgerecht und zügig zu decken. Eile und Handlungsfähigkeit bei den Arbeitsmarktakteuren ist geboten.“

Renate Sternatz, stellvertretende Vorsitzende des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen, hierzu: „Mit der Weiterentwicklung der Allianzvereinbarung für Fachkräftesicherung in Thüringen setzen die Allianzpartner die richtigen Prioritäten. Gute Arbeits- und Ausbildungsbedingungen sind elementar wichtig, um Thüringen als Arbeits- und Wirtschaftsstandort zu stärken. Nur wer jungen Menschen eine wirkliche Perspektive bietet, schafft es langfristig, den Fachkräftebedarf zu sichern. Diese Herausforderung gilt es mit Blick auf die demografische Entwicklung und die industrielle Transformation zu meistern. Wichtig ist uns, dass das Interesse der Auszubildenden und Beschäftigten nach guten Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen in die neue Allianzvereinbarung aufgenommen wurde.“

„Fachkräfte sind die Grundlage für eine starke Wirtschaft. Bereits jetzt kann jedes zweite Unternehmen im Bereich der Thüringer Industrie- und Handelskammern offene Stellen langfristig nicht besetzten. Nur durch ein ausreichendes Angebot an qualifizierten Mitarbeitern, Innovationen und neue Technologien sind Thüringer Firmen auch künftig in der Lage, im Wettbewerb zu bestehen. Fachkräftesicherung fängt bereits in der Schule an, denn durch eine an der Praxis ausgerichtete berufliche Orientierung wird der Grundstein für eine erfolgreiche Berufswegeplanung gelegt. Die Allianz nimmt hierbei sowohl in der Aufstellung der Rahmenbedingungen als auch in der Umsetzung durch die jeweiligen Akteure eine Schlüsselfunktion ein“, sagt Dieter Bauhaus, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der Thüringer Industrie- und Handelskammern.

Stefan Lobenstein, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Thüringer Handwerkskammern: „Berufliche Ausbildung braucht wieder mehr gesellschaftliche Anerkennung und die berufliche Tätigkeit als qualifizierte Fachkraft mehr Wertschätzung. Eine starke Unterstützung durch die Politik ist dabei notwendig, weshalb die Handwerkskammern die gemeinsame Fachkräftestrategie unterstützen. Das Handwerk bietet mit seinen über 130 Ausbildungsberufen hervorragende und vielfältige Karriere- und Berufschancen. Um die verschiedenen Karrierewege jungen Menschen bekannt zu machen und nahe zu bringen, sollte die ganzheitliche Berufsberatung und -orientierung intensiviert werden, auch an Gymnasien. Die Gleichwertigkeit von dualer und akademischer Ausbildung muss besser kommuniziert und die Lust am Unternehmertum und der Selbstständigkeit geweckt werden. Darüber hinaus sollen die Bedingungen für lebenslanges Lernen verbessert und Maßnahmen zur Personalgewinnung und -entwicklung gefördert werden.“

„Die gemeinsame Fachkräftestrategie macht einmal mehr deutlich, dass wir alle, wenn nicht immer in einem Boot sitzen, doch zumindest in demselben Teich schwimmen. Dem akuten Fachkräftemangel in allen Branchen, insbesondere in der Thüringer Sozialwirtschaft ist nur mit einem Bündel an Maßnahmen zu begegnen. Neben den Chancen die in der Digitalisierung liegen, sind die Chancen der Zuwanderung konsequent zu nutzen. Fachkräfte und Auszubildende durch verstärkte Anwerbung im Ausland zu gewinnen, bedeutet Anstrengungen auf allen Seiten. Zuwanderung muss sowohl für die aus dem Ausland kommenden Menschen, als auch für die aufnehmenden Unternehmen attraktiv sein. Neben schnellen und unkomplizierten Zugängen und Anerkennungsverfahren, braucht es auch die Unterstützung der Unternehmen durch den Freistaat. Daran gemeinsam zu arbeiten ist das erklärte Ziel, an dem wir unseren Erfolg messen lassen müssen.“, so Stefan Werner, Vorsitzender der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege und Landesgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Thüringen.

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