Jena: Senat der Universität verabschiedet Corona-Resolution

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Corona-Resolution des Senats der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Der folgende Text wurde vom Senat der Friedrich-Schiller-Universität am 1. Februar 2022 einstimmig verabschiedet.

Die Corona-Pandemie stellt uns alle vor gewaltige Herausforderungen – dass sie auch tiefgreifende Ängste und Sorgen bei vielen Menschen auslöst, ist nur zu verständlich. Naturgemäß konnten bei einem erst seit zwei Jahren bekannten Krankheitsbild viele Fragen von der Wissenschaft noch nicht beantwortet werden. Gleichwohl ist es beeindruckend rasch gelungen, wirksame Impfstoffe zu entwickeln und damit die Voraussetzung für die Überwindung der Pandemie zu schaffen.

Spätestens seit dem Zeitalter der Aufklärung hat der Mensch die wissenschaftliche Erkenntnis und die damit verbundenen Verfahrensweisen zum Leitbild seines Denkens und Handelns erhoben, um seine Lebensverhältnisse zu verbessern und Fortschritt zu erzielen. Dies gilt auch und gerade für unser Wissen über Krankheiten. Ohne die medizinische Wissenschaft und andere Naturwissenschaften hätte der Mensch viele von ihnen nicht so erfolgreich bekämpfen können. Die Ausrottung der Pocken in Folge der Impfpflicht zum Beispiel verhindert schätzungsweise 5 Millionen Tote pro Jahr!

Das leidenschaftliche, manchmal kontroverse Ringen der Wissenschaft um die wirksamsten und sinnvollsten Maßnahmen legt ein beredtes Zeugnis unabhängiger, kritischer und engagierter Arbeit zum Wohl der Gesellschaft ab. Der Senat der Friedrich-Schiller-Universität ist zutiefst besorgt darüber, dass Teile der Bevölkerung, auch in der Wissenschaftsstadt Jena, Fakten wie die Existenz des Corona-Virus bestreiten, unhaltbare Behauptungen zu Impfungen verbreiten und der Wissenschaft Lügen im Dienste dunkler Verschwörung unterstellen.

Der Senat erinnert mit Blick auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts an die Gefährlichkeit von Verschwörungsmythen. Tatsächlich versuchen rechtsextreme Kreise aus der Pandemie-Situation politisches Kapital zu schlagen, während gleichzeitig viele Coronakritikerinnen und -kritiker keine Berührungen mit Feinden unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung scheuen.

In einem demokratisch verfassten System steht es jeder Person frei, sich bei ihren Entscheidungen von ihren Überzeugungen und gegebenenfalls Sorgen leiten zu lassen und diese öffentlich mitzuteilen. Wir verstehen es jedoch als eine inakzeptable Anmaßung, der Gesellschaft in einer akuten Gefahrenlage wissenschaftlich nicht begründbare Vorstellungen aufzwingen zu wollen. Ungeheuerliche Vorgänge wie Demonstrationen vor Kliniken, um Patientinnen und Patienten sowie das medizinische Personal unter Druck zu setzen und deren Nöte zu verschärfen, sind erschreckende Folgen. Die aus der Querdenkerszene auf die Straße getragene Ablehnung wissenschaftlicher Erkenntnis, bis hin zu persönlichen Anfeindungen und Bedrohungen, gefährdet unsere Fähigkeit, Krisen und Herausforderungen jetzt und in Zukunft gemeinsam zu bewältigen.

Der Senat der Friedrich-Schiller-Universität widerspricht mit aller Deutlichkeit jenen, die wissenschaftliche Erkenntnis leugnen und Verschwörungsmythen anhängen. Er ruft die Zivilgesellschaft der Stadt Jena auf, für die Freiheit der Wissenschaft und das Vertrauen in wissenschaftliches Denken einzutreten und unterstützt entsprechende Initiativen. Er würdigt die große Zahl von Menschen, die sich impfen lassen, um der Pandemie Einhalt zu gebieten, und gedenkt der Opfer der Pandemie.

Quelle.

2 Kommentare

  1. Einer derart formulierten Resolution nicht zuzustimmen ,hätte von den Senatsmitgliedern bei der
    aktuell herrschenden politischen Stimmungslage schon großen Mut erfordert. Daher überrascht die
    Einstimmigkeit ,trotz vieler Pauschalierungen, Behauptungen und Unschärfen in der Argumentation, nicht.

    • Diese Resolution stammt aus den Reihen des Senats und entspricht offensichtlich dem Wunsch, sich in dieser Zeit zu einem aktuellen Thema zu äußern. Das macht der Senat gelegentlich. Also, die Resolution wurde bereits vor der Verabschiedung im Wortlaut und im Umfang abgestimmt, daher ist die Einstimmigkeit auch kein Zufall.

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