Erfurt: Energiebeirat nimmt die Arbeit auf

1
286

Mit einem Erfurter Energiebeirat wird die Landeshauptstadt auf die derzeitige dramatische Situation auf dem Energiemarkt reagieren. „Wir wollen uns mit der Unterstützung von Experten erstmal zeitnah einen Überblick über die verschiedenen möglichen Szenarien schaffen“, sagt Finanzbeigeordneter Steffen Linnert, der Chef des Beirates. Oberbürgermeister Andreas Bausewein: „Nur wenn wir diese Szenarien klar definieren, können wir auch gezielt reagieren.“

Landeshauptstadt reagiert mit Experten-Gremium auf derzeitige Energie-Krise

Kommunikation und Transparenz spielen dabei ein tragende Rolle: „Wir müssen zum einen die Bürgerinnen und Bürger umfassend und regelmäßig über die Situation auf den Energiemärkten und die Folgen für ihr Leben informieren, zum anderen benötigen auch die verschiedenen Verbände und Institutionen, die das öffentliche Leben bestimmen, diese Informationen“, sagt der OB.

Mindestens drei Szenarien sind möglich: Russland stoppt (wann auch immer) den Export von Gas über die Pipeline Nordstream 1 nach Deutschland, drosselt die Menge erheblich oder nimmt die vollen Lieferumfänge wieder auf. Bausewein: „Egal, was die Russen machen – die niedrigen Energiepreise, an die wir uns in den letzten Jahrzehnten so gewöhnt haben, wird’s in aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr geben.“ Und das hat gravierende Auswirkungen auf alle Teile der Gesellschaft.

„Eine funktionierende und vor allem bezahlbare Energieversorgung ist eine tragende Säule in unserem Leben, beginnt diese Säule zu wackeln, dann spüren alle die möglichen Folgen.“ Also sollen im ersten Schritt Energieexperten (Strom, Gas, Fernwärme und Netze) den Beirat über die verschiedenen Szenarien und ihre Auswirkungen informieren. Im nächsten Schritt wird der Energiebeirat dann um Vertreter von Stadtverwaltung, Stadtwerke, Wirtschaft, Sozialverbänden oder Wohnungswirtschaft erweitert. „Sie alle brauchen diese Informationen, um gezielt und abgestimmt handeln zu können“, so der OB weiter.

Wie kann sozial Schwachen geholfen, wie können Wohnungsgenossenschaften unterstützt werden, was geschieht mit Handwerksbetrieben, wie sieht der öffentliche Nahverkehr in Krisenzeiten aus, was geschieht mit Einrichtungen wie Zoo, Bädern oder Egapark, wenn die Energiekrise weiterhin zu enormen Kostensteigerungen führt? „Sicher werden wir nicht auf alle Fragen eine Antwort haben, wir werden nicht überall helfend eingreifen können – für vieles sind nun mal Land und Bund verantwortlich. Der Energiebeirat soll uns dabei helfen, die richtigen Wege zu finden und mit Augenmaß reagieren zu können“, sagt Andreas Bausewein.

Eine weitere Aufgabe des Beirates wird es sein, die neuen Energie-Gesetze von Bund und Land auf ihre Auswirkungen zu analysieren und dann darauf reagieren zu können. Bausewein: „Wenn wir merken, das geht in die falsche Richtung oder es fehlt etwas Entscheidendes – dann werden wir alle Hebel in Bewegung setzen, die Dinge in unserem Sinne zu korrigieren.“

Quelle

1 Kommentar

  1. Nicht ganz richtig mit den bislang niedrigen Strompreisen, auch nicht in Erfurt
    Der durchschnittliche Strompreis in Europa Mitte 2021 lag bei 21,9 Cent je Kilowattstunde.
    Die höchsten Strompreise für private Haushalte in Europa im Jahr 2021 wurden in Deutschland [32 Cent pro kWh] und die niedrigsten Strompreise in Ungarn [10 Cent] gezahlt.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein