Thüringen: Grünes Band auf der Vorschlagsliste für UNESCO-Welterbestätten

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Das Grüne Band Deutschland darf sich um die prestigeträchtige Auszeichnung als UNESCO-Welterbe bewerben. Durch den heutigen Beschluss der Kulturministerinnen und -minister steht die ehemalige deutsch-deutsche Grenze auf der neuen deutschen Kandidatenliste für künftige UNESCO-Welterbestätten.

Thüringen hat zunächst einen Naturerbeantrag eingereicht, der bis zur abschließenden Abgabe einer Bewerbung in den nächsten Jahren noch um die erinnerungskulturelle Dimension des Grünen Bandes erweitert werden soll – die baulichen Relikte der deutsch-deutschen Grenze im Kalten Krieg. Für Deutschland wäre ein gemischtes Weltnatur- und -kulturerbe ein Novum.

Dazu erklärt Umweltminister Stengele: „Der nächste große Schritt auf dem Weg ist geschafft. Wir haben aus Thüringen heraus mit dem Nationalen Naturmonument Grünes Band Thüringen 2018 eine Bewegung ausgelöst. Dieser haben sich bislang Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Hessen angeschlossen, weitere Anrainerbundesländer wollen folgen. Das Grüne Band ist wahrhaft einzigartig in der Welt, es hätte einen UNESCO-Titel verdient: als europäisches Friedenssymbol und Erinnerung an die deutsche und europäische Teilung. Gleichzeitig ist es Biotop mit einzigartiger Natur und erstaunlicher Artenvielfalt. Ein begehbares und erfahrbares Zeichen der lebendigen Hoffnung. Ich hoffe, dass die UNESCO das im weiteren Verlauf genauso einschätzt.“

Staatskanzleichef und Kulturminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff erklärt: „Das Grüne Band Deutschland verkörpert ein tiefgreifendes Kapitel in der Geschichte unseres Landes. Es ist ein lebendiges Zeugnis der überwundenen Teilung Deutschlands und symbolisiert eindrucksvoll die Kraft der Natur, Grenzen zu überwinden und neue Lebensräume zu schaffen. Die Aufnahme in die deutsche Tentativliste für das UNESCO-Welterbe markiert einen entscheidenden Schritt auf unserem Weg, dieses einzigartige Natur- und Kulturerbe zu würdigen. Ich freue mich, dass nach der gerade erfolgten Auszeichnung des jüdisch-mittelalterlichen Erbes in Erfurt als UNESCO-Welterbe nun eine weitere Stätte aus Thüringen diesen prestigeträchtigen Titel anstreben kann. Ich hoffe, dass das Grüne Band als Symbol für Naturerhalt und Frieden weltweite Anerkennung findet.“

Die Auswahl von Welterbestätten gliedert sich in ein mehrstufiges Verfahren. Zunächst müssen sich interessierte Stätten auf nationaler Ebene um die Aufnahme in die Tentativliste für das UNESCO-Welterbe bewerben. Ein Platz auf dieser Anmeldeliste ist die Voraussetzung dafür, einen Antrag für die Welterbeliste einzureichen.

Die aktuelle deutsche Tentativliste läuft Ende 2024 aus. Daher fand in den vergangenen zwei Jahren ein Auswahlverfahren für die neue Kandidatenliste statt. Die Initiative für das UNESCO-Welterbe hatte Thüringen 2020 mit einem erfolgreichen Beschlussvorschlag für die Umweltministerkonferenz gestartet. Anschließend wurde unter Federführung Thüringens zusammen mit den Anrainerbundesländern am Grünen Band ein Bewerbungsdokument erarbeitet. Hierzu wurden umfangreiche Fachdaten zusammengetragen, die den naturschutzfachlichen Wert der Stätte belegen. Der Arten- und Biotopreichtum des Grünen Bandes Deutschland entspricht dem von der UNESCO geforderten einzigartigen und außerordentlichen Wert.

Hintergrund:

Mit einer Länge von 763 Kilometern hat Thüringen den mit Abstand größten Anteil am Grünen Band Deutschland (rd. 1 400 km). Seit der Ausweisung als Nationales Naturmonument wurde u.a. über die Stiftung Naturschutz Thüringen, die die Trägerschaft des Nationalen Naturmonuments „Grünes Band Thüringen“ übertragen bekommen hat, in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren eine Vielzahl von Projekten umgesetzt. Acht Gebietsbetreuer sind Ansprechpartner vor Ort. In das Gebiet einbezogen sind neben dem Kolonnenweg weitere Reste der ehemaligen Grenzbefestigungsanlagen sowie Gedenksteine, Informationstafeln und andere Erinnerungseinrichtungen als Spuren der deutsch-deutschen Geschichte.

Kai Frobel und Hubert Weiger, BUND Bayern und Deutschland, waren Initiatoren des ersten gesamtdeutschen Treffens von Naturschützern aus Ost und West, das Ende 1989 im fränkischen Hof stattfand. Hier wurde die Idee des „Grünen Bandes“ in Deutschland geboren, die wenig später der damalige Bundesumweltminister Prof. Dr. Klaus Töpfer aufgriff. Am 19. Juni 2002 übernahm Michael Gorbatschow die Schirmherrschaft für die Idee eines „Grünen Bandes Europa“.

Die UNESCO setzt sich auf vielfältige Weise für den Erhalt von Kulturgütern mit besonderer Bedeutung für die Menschheit ein. Am bekanntesten ist das 1972 verabschiedete „Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt“. Dieses bildet die Grundlage für die Welterbeliste, die herausragende kulturelle und natürliche Denkmäler verzeichnet. In Deutschland gibt es momentan 52 Welterbestätten. Davon liegen fünf in Thüringen. Neben Erfurts jüdisch-mittelalterlichem Erbe gehören dazu die Wartburg in Eisenach, das Bauhaus und das Klassische Weimar sowie der Hainich als Weltnaturerbe.

Quelle

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