Thüringen: Bundesverdienstorden viermal verliehen

0
441

Christian Bormann aus Weimar, Bernd Lehmann aus Gera, Dirk Wendelmuth aus Weimar und Brigitte Zech aus Schmalkalden werden mit dem Bundesverdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Im Auftrag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird Ministerpräsident Bodo Ramelow die Ehrung am kommenden Dienstag, den 16. Januar 2024, ab 14:30 Uhr im Kaisersaal in Erfurt vornehmen.

„Es gibt viele Beispiele ehrenamtlichen Engagements, die eine Würdigung mit einem Bundesverdienstorden verdienen. In diesem Fall freue ich mich, Personen zu ehren, die sich allesamt in beispielloser Weise für die Interessen anderer einsetzen. Egal ob Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Kinder und Jugendliche oder unsere Bodendenkmäler – sie alle sind auf Unterstützung angewiesen. Dafür, dass es immer wieder Menschen gibt, die diese Unterstützung nicht nur ohne Murren leisten, sondern Erfüllung darin finden, bin ich als Ministerpräsident, aber auch persönlich sehr dankbar“, so Bodo Ramelow im Vorfeld.

Christian Bormann aus Weimar OT Tröbsdorf erhält das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für die entscheidende Mitgestaltung schwieriger und komplexer Transformationsprozesse in der Nachwendezeit.

Christian Bormann war Zeit seines Lebens politisch sowie gesellschaftlich engagiert. In der Zeit der Friedlichen Revolution gehörte er zu den Mitbegründern der Sozialdemokratischen Partei in Weimar und übernahm dort aus seiner christlichen Prägung heraus eine führende Position im Arbeitskreis ‚Christinnen und Christen in der SPD‘. Zudem übernahm er als Bahnbediensteter viele Jahre Verantwortung in der Betriebsgruppe Eisenbahn der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen. Auch in der Kommunalpolitik war er mehrere Jahre im Ortschaftsrat des Weimarer Stadtteils Tröbsdorf aktiv.

Das Hauptaugenmerk seines gesellschaftlichen Engagements lag hingegen auf dem Eintreten für die Interessen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Ob in der Gewerkschaft, als Betriebsratsvorsitzender oder als Aufsichtsratsmitglied bei der Deutsche Bahn AG (1995-2000) sowie der DB Netz AG (2005-2020) – stets setzte er sich für betriebliche Mitbestimmung ein.
Konkret war Christian Bormann nach der Wende zunächst an der Gründung des Erfurter Ortsverbandes und der Bezirksleitung der Gewerkschaft der Eisenbahner beteiligt und schließlich der Thüringer Vertreter im ersten gesamtdeutschen Hauptvorstand der Gewerkschaft. Bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2020 übernahm er auf den unterschiedlichsten Organisationsebenen Verantwortung für die heute als Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft auftretende Organisation. Auch beim Deutschen Gewerkschaftsbund wurde der langjährige Betriebsratsvorsitzende aufgrund seiner Expertise sehr geschätzt.
Insbesondere in der Zeit seiner Aufsichtsratsmandate, die er neben seiner Tätigkeit als Betriebsratsvorsitzender für die Region Thüringen wahrnahm, setzte sich der leidenschaftliche Bahner weit über das gewöhnliche Maß hinaus für die Beschäftigten, aber auch für die Bahn als Transportmittel insgesamt ein. Seinen Kontakt zur Konzernleitung nutzte er wiederholt zur Vermittlung und konstruktiven Lösungsfindung.

Ministerpräsident Ramelow: „Christian Bormann hat sich über Jahrzehnte hinweg in eindrucksvoller Art und Weise in Transformationsprozesse in den neuen Bundesländern und speziell in Thüringen eingebracht. Nicht nur seine Arbeitgeberin, die Bahn, stand vor einschneidenden Veränderungen, auch die Gewerkschaften mussten neu aufgestellt und mit Leben gefüllt werden. Der Bundesverdienstorden für diese Leistung ist nicht nur mehr als gerechtfertigt, sondern er kommt pünktlicher als so mancher Zug.“

Bernd Lehmann aus Rückersdorf OT Reust wird für seinen aufopferungsvollen Einsatz für Kinder und Jugendliche im Verein „We4Kids e.V.“ mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt.

Durch den persönlichen Einsatz und die Begeisterungsfähigkeit und nicht zuletzt das Beharrungsvermögen von Bernd Lehmann sind rückblickend viele Projekte entstanden. Nicht nur gelingt es ihm immer wieder Unterstützerinnen und Unterstützer sowie Sponsoren für unterschiedliche Anliegen zu gewinnen. Er gibt zuallererst Kindern und Jugendlichen – gleich welchen Alters, Geschlechts oder Herkunft – mit seinen Projekten die Chance auf eine erfolgreiche Integration und Teilhabe in unserer Gesellschaft.

Angefangen hat die Arbeit des Vereins „we4Kids“ und damit das Engagement von Bernd Lehmann im Jahr 2011 im Jugendclub Ronneburg. Mit den Projekten „Kinderwerkstatt“ und „Kleider machen Leute“ vermittelte er Jugendlichen die verschiedensten Fähigkeiten und Kompetenzen. Im Zuge des Projektes „Club der jungen Schreiber“ konnten bis heute vier Bücher mit selbstgeschriebenen Geschichten der Kinder gedruckt werden.
Seitdem ist viel Zeit vergangen, viele unterschiedliche Projekte wurden erdacht, auf den Weg gebracht und durchgeführt. Vor allem aber hat sich die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die Bernd Lehmann mit seiner Arbeit erreicht, vervielfacht.
Mit den Projekten „Notfallhandy“ und „Bildungshelden“ startete der Verein zudem deutschlandweite Projekte. Mit Hilfe des ersteren werden gebrauchte Mobiltelefone gesammelt, mit Prepaidkarten versehen und Jugendlichen zur Verfügung gestellt, um im Notfall Hilfe oder Rat einholen zu können. Das Konzept der „Bildungshelden“ ist es, gebrauchte, jedoch funktionstüchtige Laptops und Tablets aufzubereiten und Kindern zur Verfügung zu stellen, um so die Partizipation bspw. beim Homeschooling zu verbessern.

Über die Seite wunschpate.de – ein weiteres Projekt des Vereins – können Kinder und Jugendliche Wünsche anmelden, die durch Spenden oder zumindest Teilspenden erfüllt werden können. Dies können Spielzeug, Sportgerät oder auch ein Musikinstrument sein. So konnten seit dem Jahr 2016 bereits 8.000 Wünsche in Erfüllung gehen.

Schließlich setzt sich Bernd Lehmann auch für Kinder ein, die an seltenen, tödlichen Krankheiten leiden. Der Rekordteam e.V. ist ebenfalls aus dem We4Kids e.V. entstanden und bricht buchstäblich Rekorde. 2017 bauten Engagierte die längste Murmelbahn der Welt und brachen den bestehenden Weltrekord. 2.261,41 Meter kamen zusammen. Das Projekt wurde finanziell von vielen regionalen und überregionalen Partnern und Sponsoren unterstützt. Seitdem kamen weitere Rekorde hinzu.

„Bernd Lehmann ist wahrlich ein Tausendsassa des Ehrenamts. Durch seinen Einsatz profitieren Kinder und Jugendliche in Thüringen und in ganz Deutschland. Passend ist, dass ein solches Multitalent bereits in der Vergangenheit mit mehreren Auszeichnungen – darunter dem Thüringer Familienpreis oder auch der Thüringer Rose – gewürdigt wurde. Verständlicher Weise möchte der Bundesverdienstorden hier nicht nachstehen und findet verdientermaßen nun auch seinen Weg nach Rückersdorf“, so Ministerpräsident Ramelow.

Dirk Wendelmuth aus Weimar erhält für seine jahrzehntelangen Verdienste im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit – insbesondere in der Leitung des Kinder- und Jugendzirkus Tasifan – das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Dirk Wendelmuth hat schon als junger Erwachsener seine Zeit und seinen Eifer für die junge Generation aufgewendet und tut dies bis heute. Im Jahr 1992 gehörte er zu den Gründerinnen und Gründer der Kindervereinigung Weimar e.V., der er bis 1998 vorstand. Der Verein ist heute als Träger der freien Jugendarbeit insbesondere in Weimar aktiv und unterhält unter anderem Jugendtreffs und Jugendzentren in der Region.

1997 widmete sich der Sozialpädagoge konkret dem Aufbau eines Kinder- und Jugendzirkus. Unter dem Dach der Kindervereinigung schuf er mit dem Kinder- und Jugendzirkus Tasifan eine weit über die Grenzen Thüringens hinaus bekannte und bis heute bestehende Institution, die Jugendlichen aus verschiedensten sozialen und kulturellen Milieus einen Anlaufpunkt bietet.

Leidenschaft, Professionalität und Menschenliebe sind die Eigenschaften, mit denen Dirk Wendelmuth in Verbindung gebracht wird. Seine Arbeit schafft neben der Begeisterung vieler Kinder für den Zirkus auch eine Nachhaltigkeit, die sich dadurch kennzeichnet, dass die Kinder ihr Können vielfach selbst weitergeben. Der Zirkus Tasifan ist ein sozialer Ort, der als Wanderzirkus mit seiner aufsuchenden Zirkusarbeit junge Menschen erreicht, denen gesellschaftliche Teilhabe aus verschiedenen Gründen oft nicht möglich ist.
Dass er und sein Zirkus anpassungsfähig sind, bewies Dirk Wendelmuth nicht nur während der Coronapandemie. In dieser Zeit gelang es ihm, trotz der notwendigen Einschränkungen, Teilhabe zu ermöglichen und innovative Projekte zu entwickeln.

Neben seiner Arbeit für Tasifan engagiert sich der Zirkusdirektor über dies im Verband „Zirkus macht stark/Zirkus für alle e.V.“. Er ist Gründungsmitglied des Vereins und übernahm 2017 auch den stellvertretenden Vorsitz. In dieser Funktion setzt er sich für eine verbesserte Zusammenarbeit mit Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern in der Zirkusarbeit ein. Dirk Wendelmuth erhebt dabei seine Stimme immer wieder auch stellvertretend für die Kinder- und Jugendzirkusvereine aus Ostdeutschland. Er organisiert für den Verband Workshops, Fortbildungen sowie Vernetzungstreffen und lädt dazu gerne auch internationale Partnerinnen und Partner nach Weimar ein.

„Dass Dirk Wendelmuth mit ‚seinem‘ Zirkus nicht nur immer wieder gleichermaßen ein Lächeln in junge und alte Gesichter zaubert, sondern mit seiner Arbeit gleichzeitig jungen Menschen ein unfassbares Können und Selbstbewusstsein vermittelt, zeigt, dass Zirkus viel mehr ist, als Clownsnase und Akrobatik. Der Kinder- und Jugendzirkus Tasifan ist ein leuchtendes Beispiel für gelebte sowie gelingende soziale und kulturelle Integration. Ich freue mich sehr, dass solch ein Lebenswerk mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt wird“, so Ministerpräsident Ramelow.

Brigitte Zech aus Schmalkalden wird mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für ihren unvergleichlichen Beitrag im Bereich der archäologischen Bodendenkmalpflege ausgezeichnet.

Brigitte Zech trat bereits im Jahr 1990 mit der Gründung des Vereins für Schmalkaldische Geschichte und Landeskunde e.V. im Bereich der Bodendenkmalpflege in Erscheinung. Sie übernahm außerdem die Leitung des dortigen, gleichnamigen Arbeitskreises. Gemeinsam mit Gleichgesinnten erkundet, erfasst und dokumentiert die Wirtschaftspädagogin bis heute Bodendenkmale in der Region Schmalkalden. Arbeitseinsätze zur Pflege dieser Denkmale gehören dabei genauso dazu wie Exkursionen und Beratungen. So konnten in den letzten Jahren umfangreiche Arbeiten unter anderem zu Landwehren, Altstraßen, Befestigungsanlagen oder alten Siedlungsresten durchgeführt und wertvolle Erkenntnisse an das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie übergeben werden. Dank Brigitte Zech finden sich die gemachten Funde nun auch in den elektronischen Kartenwerken des Landesamtes wieder.
Darüber hinaus veröffentlicht die engagierte Denkmalpflegerin ihre Forschungsergebnisse in örtlichen Zeitschriften und stößt damit auch in Fachkreisen auf breite Anerkennung. Besonders bemerkenswert ist, dass die heutige Rentnerin sich die für ihr ehrenamtliches Engagement notwendige Kompetenz ausschließlich im Eigenstudium erwarb. Der Qualität ihrer Arbeiten tut dies indes keinen Abbruch.

Neben ihrer ehrenamtlichen Arbeit für den Verein für Schmalkaldische Geschichte und Landeskunde e.V. war Brigitte Zech über längere Zeit im Vorstand des Zweigvereins Schmalkalden des Thüringerwald-Vereins 1880 e.V. tätig.

Ihr gelingt es mittlerweile seit mehreren Jahrzehnten immer wieder Menschen zu motivieren, sich mit der Geschichte ihrer Heimatregion auseinanderzusetzen. Sie trägt damit nicht nur zu einem fruchtbaren und lebendigen Miteinander bei, sondern erbringt eine besondere Dokumentationsleistung, die durch die öffentliche Denkmalpflege in dieser Breite überhaupt nicht zu erbringen ist. Mit ihrem Arbeitskreis leistet sie nach wie vor einen wichtigen Beitrag zur historischen Grundlagenforschung in Thüringen.

Ministerpräsident Ramelow: „Brigitte Zech kann wohl mit Fug und Recht in ihrem aus purer Leidenschaft gewählten Fachgebiet als ‚self-made women‘ bezeichnet werden. Ihre Zielstrebigkeit und ihr Wissensdurst lassen mich verblüfft zurück. Mit ihrem Engagement und ihrem Einsatz wirkt sie nicht nur in den Bereich der Heimatpflege als Vorbild hinein.“

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein