Der polizeiliche Notruf ist für lebensbedrohliche Situationen und akute Gefahr gedacht. Ein 71-jähriger Einwohner aus Brotterode interpretierte den Zweck der „110“ am vergangenen Freitagmittag jedoch auf seine ganz eigene Weise – und handelte sich damit eine Strafanzeige ein.
25 Anrufe in anderthalb Stunden
Zwischen 11:40 Uhr und 13:15 Uhr glühten in der Einsatzzentrale die Leitungen. Insgesamt 25 Mal wählte der Senior, der den Behörden bereits bestens bekannt ist, die Notrufnummer. Da eine Notlage zunächst nicht ausgeschlossen werden konnte, machten sich Beamte der Polizeiinspektion Schmalkalden-Meiningen auf den Weg zu seiner Adresse.
Erinnerungslücken und häusliches Chaos
Beim ersten Eintreffen der Streife zeigte sich der Anrufer wenig kooperativ – allerdings unfreiwillig. Aufgrund seiner starken Alkoholisierung konnte er sich schlichtweg nicht mehr daran erinnern, überhaupt zum Hörer gegriffen zu haben. Die Beamten rückten unverrichteter Dinge wieder ab.
Doch die Ruhe hielt nicht lange an. Etwa eine Stunde später sah sich die Polizei gezwungen, den Mann erneut aufzusuchen. Dieses Mal zeigte sich der 71-Jährige geständig und rückte mit dem eigentlichen Grund für seine Anrufflut heraus: Er gab kleinlaut zu, mit der Unordnung in seiner Wohnung völlig überfordert zu sein. Sein Anliegen: Die Beamten sollten ihm beim Aufräumen des heimischen Chaos helfen.
Strafanzeige statt Staubsauger
Obwohl die Polizisten das Problem des Seniors erkannten, gehört die Beseitigung privater Unordnung nicht zu ihrem Aufgabengebiet. Statt tatkräftiger Unterstützung bei der Hausarbeit gab es für den Brotteroder eine klare rechtliche Konsequenz:
- Gegen den Mann wurde eine Strafanzeige wegen Notrufmissbrauchs gefertigt.
- Die Polizei weist in diesem Zusammenhang erneut darauf hin, dass das Blockieren der Notrufleitungen für sachfremde Zwecke kein Kavaliersdelikt ist, da hierdurch echte Hilferufe in Notfällen verzögert werden können.
Der Senior muss nun mit den rechtlichen Folgen seines ungewöhnlichen Hilfeersuchens rechnen – die Unordnung in seiner Wohnung blieb nach dem Einsatz erst einmal bestehen.


