Nitrat im Grundwasser: VSR-Gewässerschutz schlägt Alarm für den Kreis Sömmerda

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Seit einem Jahrzehnt steuert das Labormobil des VSR-Gewässerschutzes verschiedene Städte im Kreis Sömmerda an, um die Qualität des lokalen Brunnenwassers unter die Lupe zu nehmen. Zusammen mit den per Post eingesandten Proben hat die gemeinnützige Organisation nun eine Bilanz aus 285 Untersuchungen gezogen. Die erstmalig vorgelegte Langzeitauswertung von 2016 bis 2025 zeigt eine alarmierende Entwicklung: Die Nitratbelastung im privaten Bereich sinkt nicht – sie steigt drastisch an.

Obwohl die europäische Nitratrichtlinie bereits seit 1991 den Schutz des Grundwassers vor übermäßigen Nährstoffeinträgen vorschreibt, stellt der VSR-Gewässerschutz in einer rasant wachsenden Zahl von Gartenbrunnen der Region Nitratwerte von über 50 Milligramm pro Liter (mg/l) fest.

Erschreckender Trend: Jeder zweite Brunnen überschreitet den Grenzwert

Harald Gülzow, der die Nitratuntersuchungen im Kreis Sömmerda von Anfang an begleitet hat, legt Zahlen vor, die aufhorchen lassen:

„Während in den Jahren 2016 bis 2020 noch 41,4 % der Brunnen den Grenzwert überschritten, ist die Belastung im Zeitraum 2021 bis 2025 auf 50,0 % gestiegen. Besonders problematisch ist, dass der Anteil der Brunnen mit einer schweren Nitratbelastung von über 100 mg/l im gesamten Zeitraum auf 14,3 % stieg.“

Das Fazit des Experten fällt entsprechend kritisch aus: Die bisherigen Maßnahmen in der Landwirtschaft zur Verringerung der Nitratbelastung im Grundwasser zeigen zwar punktuell Wirkung, in der Summe ist die Belastung bisher aber keineswegs wie erhofft gesunken. Um am Ball zu bleiben und die Entwicklung weiter genauestens zu dokumentieren, wird das Labormobil auch in diesem Jahr wieder im Kreis Sömmerda Station machen. Die Termine für die Region sowie detaillierte Grafiken werden rechtzeitig auf der Homepage des Vereins veröffentlicht.

Wasserschutzgebiete als Vorbild – Handlungsbedarf in der Fläche

Die Auswertung macht deutlich, wo die eigentlichen Problemzonen liegen: Besonders stark belastete Gartenbrunnen befinden sich häufig außerhalb der offiziellen Wasserschutzgebiete der öffentlichen Trinkwasserversorgung.

Innerhalb dieser speziell ausgewiesenen Areale haben viele lokale Wasserversorger schon frühzeitig selbst die Initiative ergriffen. „Ihnen war klar geworden, dass sie sich nicht auf die Politik verlassen können. Die gesetzlichen Regelungen für die Aufbringung von Dünger waren nicht ausreichend, um längerfristig den Trinkwassergrenzwert von 50 mg/l einzuhalten“, erläutert Harald Gülzow.

Durch freiwillige Kooperationen zwischen Wasserversorgern und Landwirten entstanden dort effizientere Düngemethoden und gewässerschonendere Anbausysteme, die über die gesetzlichen Mindestvorgaben hinausgehen. Diese Partnerschaften tragen seit vielen Jahren erfolgreich dazu bei, das Grundwasser sauber zu halten und teure, technische Verfahren zur Nitratentfernung von vornherein zu vermeiden.

Risiken für Mensch, Tier und das Ökosystem der Nordsee

Der VSR-Gewässerschutz fordert nachdrücklich, dass die Nitratbelastung auch außerhalb von geschützten Zonen dringend flächendeckend gesenkt werden muss. Schließlich sollen Gartenbesitzer ihr eigenes Brunnenwasser ohne gesundheitliche Risiken für Mensch und Tier zum Gießen, zum Befüllen von Teichen oder als Tränkwasser nutzen können.

Zudem bleibt das Problem nicht auf die Region beschränkt: Das nitratbelastete Grundwasser sickert unaufhörlich in lokale Bäche und Flüsse. Über diese Wasserwege wird die Nährstofffracht letztlich bis in die Nordsee transportiert, wo sie massiven Schaden anrichtet. Die Folge ist ein starkes Algenwachstum, das den Wasserlebewesen den Sauerstoff raubt und die maritime Fauna gefährdet. „Eine Verringerung der Nitratbelastung ist dringend nötig, um die Artenvielfalt zu fördern“, so Gülzow abschließend.

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