Blick zurück: die Befreiung von Zeulenroda und Triebes 1945

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HINWEIS Dieser Text ist Teil einer Serie zu den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges in (Ost-)Thüringen. Weitere Artikel dazu gibt es unter anderem hier: Der Todesbefehl 1945 für Thüringen | Blick zurück: die letzten Kriegstage im April 1945 in Zeulenroda und Triebes

In Zeulenroda traf der Befehl zum Widerstand bis zur letzten Patrone am 12. April ein. Damit war an sich das Todesurteil für die Stadt angeordnet, denn die US-Truppen gingen bei Widerstand kein Risiko mehr ein und setzten auf schwere Waffen, um diesen zu bekämpfen. So weit kam es aber in Zeulenroda erfreulicherweise nicht.

Stützpunktkommandant zu dieser Zeit war Walter Zorn[1]. Am 15. April lag dazu noch eine Einheit der Wehrmacht nahe des Ortes (im Bereich der ehemaligen Starkenmühle). Diese zog sich aber im Laufe des Tages vor den anrückenden US Truppen zurück, so dass Zorn der alleinige Befehlshaber der Stadt war. Er hatte die Verteidigung der Stadt bereits so organisiert, dass es Posten vor allem außerhalb der Stadt gab. Damit wird Artilleriefeuer auf die Stadt vermieden. Diese Posten werden auch bis zum 16. April gegen 5 Uhr früh aktiv verteidigt. Der Befehl, bis zur letzten Patrone zu kämpfen, wird damit ausgeführt. Danach ordnete Zorn an, die Verteidigung einzustellen. Er selbst ging den US Truppen mit einer weißen Fahne in Richtung Kleinwolschendorf entgegen und übergab die Stadt.[2] Gegen 8 Uhr am 16. April rückten die Amerikaner daher kampflos in Zeulenroda ein und übernahmen die Stadt.

Triebes wurde noch am selben Tag eingenommen. Verantwortlich dafür waren die Truppen der 353. Infanterie.  Auch der Vormarsch auf Triebes startet am 15. April 1945. In den Aufzeichnung der US Armee ist zu diesem Tag festgehalten:[3]

On 15 April the 87th and 89th Divisions advanced rapidly east and southeast against only token resistance. A few roadblocks defended by small arms were reported and brief fights occurred in towns and key terrain features. All regiments of the 89th attacked at 0700, and bridges over the Weisse-Elster River at K058589 and over the Weida (K0550) were taken intact. The 354th reached its objectives along the railroad south of Gera (K0561) and at Schomberg (K0248). Elements of the 355th passed through Munchen (J9555) and reached the regimental objective on the railroad. After Neustadt (J8345) was captured, the 353rd assembled there and moved forward to Triptis (J9145). Two battalions reached Staitz (K0044) and Markendorf (J9940), three kilometers short of the regimental objective. Artillery and mortar fire were received in the vicinity of Triebes (K0140).

 ÜBERSETZUNG

Am 15. April rückten die 87. und 89. Division rasch nach Osten und Südosten vor und stießen dabei nur auf geringen Widerstand. Es wurden einige mit Handfeuerwaffen verteidigte Straßensperren gemeldet, und in Städten und an strategisch wichtigen Punkten kam es zu kurzen Gefechten. Alle Regimenter der 89. Division griffen um 7:00 Uhr an, und die Brücken über die Weiße-Elster bei K058589 und über die Weida (K0550) wurden unversehrt eingenommen. Das 354. Regiment erreichte seine Ziele entlang der Eisenbahnlinie südlich von Gera (K0561) und bei Schomberg (K0248). Teile des 355. Regiments durchquerten München (J9555) und erreichten das Regimentsziel an der Eisenbahnlinie. Nach der Einnahme von Neustadt (J8345) sammelte sich das 353. Regiment dort und rückte nach Triptis (J9145) vor. Zwei Bataillone erreichten Staitz (K0044) und Markendorf (J9940), drei Kilometer vor dem Regimentsziel. In der Nähe von Triebes (K0140) wurde Artillerie- und Mörserfeuer empfangen.

Die Aufzeichnungen von Pfarrer Baudler aus Triebes an diesem Tag bestätigen das. Er hielt fest, dass am 15. April noch eine Artillerieeinheit der Wehrmacht im Niederböhmersdorf Wald lag und auch Schüsse in Richtung Staitz abgab. Baudler berichtet, dass alle 15 Minuten einige Granaten auf diese Weise abgefeuert wurden – größere Schäden bei den US Truppen gab es dadurch aber wohl nicht.

Die US Armee bezog Stellung im Bereich des Kranich und bei Weißendorf und begann mit dem Beschuss auf Triebes. Der Kirchturm wurde wahrscheinlich als Zielmarke genutzt. Kurz nach 11 Uhr am 15. April 1945 schlugen die ersten Geschosse in Triebes ein. Vor allem der Bereich um die Kirche war betroffen, aber auch vor dem Gasthaus „Goldener Löwe“ gab es Explosionen. Nach den ersten Einschlägen war erstmal Ruhe. Gegen Mitternacht begutachteten einige der Ortsvorstände die Schäden. Danach ging der Beschuss weiter und laut Pfarrer Baudler wurden auf diese Weise etwa alle 8 Minuten zwei bis drei Geschosse auf Triebes abgefeuert, die im Laufe der Nacht an verschiedenen Stellen der Ortschaft Schäden verursachten.

Die Truppen der Wehrmacht im Niederböhmersdorfer Wald zogen sich im Laufe des frühen Morgens zurück. Baudler berichtete, dass ab etwa 4 Uhr keine Schüsse in Richtung der US-Truppen mehr abgefeuert wurden.  

Die Verantwortlichen in Triebes dachten aber zu diesem Zeitpunkt nicht an eine Kapitulation. Bürgermeister Vollrath, der Volksturmführer Köhler und auch der NS-Ortsgruppenleiter Donat hielten sich an den Saukel-Befehl, bis zum Schluss zu kämpfen, auch wenn das die Zerstörung von Triebes bedeutet hätte. Dazu gab es bei den treuen NS-Funktionären bis zum Schluss die irrige Hoffnung, dass jedem Moment Hitlers Wunderwaffe (der „Nazi-Werwolf“) eingesetzt würde und der Krieg damit für Deutschland entschieden wäre. Man nahm dafür auch in Kauf, dass der Beschuss der Stadt verstärkt würde bis hin zur schwersten Zerstörungen und vielen Opfern.

Pfarrer Baudler ließ es aber nicht so weit kommen. Er telefonierte am frühen Morgen nochmal mit seinem Kollegen in Zeulenroda und ließ sich bestätigen, dass die Stadt kapituliert hatte. Danach machte er sich mit einem frischen weißen Windeltuch an einem Stock auf in Richtung Kranich. Die schweren US Tanks fuhren da bereits vom Kranich Richtung Triebes. Baudler (geboren in Texas und daher auch der englischen Sprache mächtig) übergab die Stadt an die Amerikaner. Verantwortlich für die Übergabe auf amerikanischer Seite war ein Major Shepard der 353. Infanterie. Die US Panzer rollten daraufhin durch die Aumaer Straße in Triebes ein. Gegen 7 Uhr am 16. April 1945 wurde die Übergabe im Rathaus offiziell gemacht.

Selbst im Moment, in dem die US Truppen vor dem Rathaus in Triebes standen, glaubten die NS-Verantwortlichen von Triebes noch an einen Endsieg. Baudler wurde bedroht – der damalige Polizeiwachtmeister Sauer beispielsweise sagte ihm auf den Kopf zu, dass er erschossen würde, wenn Hitlers Wunderwaffe erst den Endsieg gebracht hätte.

Die Aufzeichnungen von Pfarrer Baudler lassen sich auch mit den Unterlagen der US-Truppen belegen. Für die 353. Infanterie wird ein Major Shepard aufgeführt.[4] Leider fehlen online Aufzeichnungen dazu, wie sein Vorname war und welchen weitere Werdegang er nach dem  Zweiten Weltkrieg gehabt hatte.

ShepardC. E.Pfc340FABnBat C
ShepardE. R.Sgt355thInf1stBnHQ
ShepardW. H.T5914FABnHQ
ShepardI. G.Maj353rdInf1stBnHQ
ShepardM. E.T4353rdInfM
ShepherdJ. R.Pvt354thD
SheppardJ. M.Pfc353rdInfA
SheppardR. D.S/Sgt353rdInfM

[1] https://archive.is/Dm63V

[2] https://archive.is/YDMGG

[3] https://www.4point2.org/hist-93.htm

[4] https://web.archive.org/web/20220518130117/https://89infdivww2.org/home/list_s.htm

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