Die Menschen im Freistaat blicken mit großer Sorge auf die Zukunft der Pflege. Eine aktuelle Allensbach-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit zeigt: Das Vertrauen in die Versorgung bricht ein, während die Angst vor unbezahlbaren Kosten wächst.
In Thüringen ist die Skepsis gegenüber dem Pflegesystem deutlich stärker ausgeprägt als im bundesweiten Durchschnitt. Während deutschlandweit 62 Prozent die Pflegesituation negativ bewerten, sind es in Thüringen bereits 70 Prozent. Besonders düster ist der Ausblick: Jeder zweite Thüringer rechnet damit, dass sich die Versorgung in den nächsten zehn Jahren weiter verschlechtern wird.
Der Report identifiziert die hohen Eigenanteile bei der Heimunterbringung als das zentrale Problem. Die Angst, trotz jahrzehntelanger Beitragszahlung im Pflegefall zum Sozialfall zu werden, ist allgegenwärtig.
- Bezahlbarkeit: 90 % fordern, dass Pflege für alle bezahlbar bleiben muss.
- Finanzielle Überforderung: 75 % fürchten, die Kosten im Ernstfall nicht stemmen zu können.
- Armutsrisiko: Drei Viertel der Befragten sehen in der Pflegebedürftigkeit ein direktes Armutsrisiko für sich und ihre Familien.
- Fachkräftemangel: Für 65 % der Thüringer stellt der Mangel an Pflegepersonal eines der größten Probleme dar.
Forderung nach struktureller Neuausrichtung
Marcus Kaiser, Landeschef der DAK-Gesundheit Thüringen, bezeichnet die Ergebnisse als „Weckruf an die Politik“. Er fordert eine grundlegende Reform, die über kurzfristige Reparaturmaßnahmen hinausgeht. Die Thüringer Bevölkerung sieht dabei vor allem den Staat in der Pflicht:
- Staatliche Zuschüsse: 54 % sprechen sich für den Einsatz von Steuermitteln aus, um die Absicherung zu garantieren.
- Soziale Gerechtigkeit: Mehr als die Hälfte der Befragten hält Beitragserhöhungen für Gutverdiener oder eine stärkere Beteiligung von Vermögenden für den richtigen Weg.
- Ablehnung privater Vorsorge: Das Modell einer verpflichtenden privaten Zusatzversicherung, wie es teilweise diskutiert wird, findet in Thüringen kaum Rückhalt (nur 20 % Zustimmung).
Die Umfrage macht deutlich, dass die Thüringer das aktuelle System als ungerecht empfinden (82 %). Die Erwartung an die angekündigte große Pflegereform der Bundesregierung ist klar: Eine verlässliche Absicherung, die das Lebenswerk der Menschen schützt und Pflege nicht zum Luxusgut werden lässt.


